Nationaler Aktionsplan Integration:Wie die Bundesregierung mehr Diversität schaffen will

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Ein Viertel der Menschen in Deutschland kommt aus Einwandererfamilien, doch in Führungspositionen in Politik, Sport und Kultur sind sie unterrepräsentiert. Das soll sich ändern.

Von Constanze von Bullion, Berlin

Sie fehlen in Rathäusern und Parlamenten, an der Spitze von Medien und Museen: Menschen mit Einwanderungsgeschichte stellen ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland, aber als Wortführende in Politik und Gesellschaft sind sie weit unterrepräsentiert. Weil die Bundesregierung das ändern will, soll am Mittwoch im Kabinett der letzte Teil des Nationalen Aktionsplans Integration beschlossen werden. Sein Ziel: Chancengleichheit und aktive Teilhabe für alle. "Wir müssen jetzt alles daransetzen, dass die Erfolge bei der Integration in Ausbildung und Arbeit durch die Corona-Pandemie nicht zurückgeworfen werden", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU).

Mit 300 Partnern aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Migrantenorganisationen hat Widmann-Mauz eine mehr als 100 Kernpunkte umfassende To-do-Liste erarbeitet. Im letzten Teil dieses Nationalen Aktionsplans Integration werden 49 "Kernvorhaben" benannt, die für interkulturelles Zusammenrücken sorgen sollen. Etliche Vorhaben sind neu, andere sollen weiterentwickelt werden.

"Zusammenwachsen darf kein Zufall sein. Es braucht Strategien", heißt es in dem Beschlussvorschlag, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Im Sport etwa spielten Menschen mit Einwanderungsgeschichte eine tragende Rolle, in sportlichen Führungspositionen nicht. Mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) habe man daher das "Leadership-Programm für ehrenamtlich Aktive mit familiärer Einwanderungsgeschichte" konzipiert. Mentorinnen und Mentoren sollen Ehrenamtler auf künftige Führungsaufgaben vorbereiten. Frauen ist die Hälfte der Teilnehmerplätze zugedacht.

Vielfalt und Diskriminierung in der Film- und Fernsehbranche sollen sichtbar gemacht werden

Als "Kernvorhaben" gilt auch ein Modellprojekt, das Nachkommen von Einwanderern beim Berufseinstieg im Gesundheitswesen unterstützt. Die Bundesregierung will die "Digital-Interaktive Ausbildung von Pflegepersonal" fördern, die "kultursensible Beratung und Versorgung" in der Palliativpflege sowie interkulturelle Stadtplanung, gerade in "Ankunftsquartieren". Vielfalt und Diskriminierung in der Film- und Fernsehbranche sollen sichtbar gemacht werden und "Diversity-Kompetenz im Journalismus" gestärkt. Gleiches gilt für Museen und die gezielte Förderung von Diversität in Kultureinrichtungen des Bundes.

Der letzte Teil des Aktionsplans widmet sich der Frage, warum jeder vierte Mensch in Deutschland aus einer Einwandererfamilie stammt, dies aber nur für 8,2 Prozent der Abgeordneten des Bundestags gilt. In den Landtagen haben nur fünf Prozent der Abgeordneten einen sogenannten Migrationshintergrund, unter Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern sind es nur 1,5 Prozent. Die Bundesregierung will nun die politische Erwachsenenbildung modernisieren, auch in Gewerkschaften und Bundesbehörden für Vielfalt auf Augenhöhe sorgen. "Diversitätsförderung gelingt nur mit systematischer Personalgewinnung", heißt es in dem Beschluss. Mehr Mittel für all die Vorhaben erwähnt der Aktionsplan nicht. Die jeweils zuständigen Ressorts sollen sie aufbringen.

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