bedeckt München 29°

Nahostkonflikt:Gegenseitige Schuldzuweisungen

Nach Darstellung Beiruts soll eine israelische Einheit nahe dem Ort Adisseh auf libanesisches Gebiet vorgedrungen sein, um dort im Feuerschutz eines Panzers einen Baum zu fällen. Die libanesischen Streitkräfte hätten Warnschüsse abgegeben, worauf die Israelis gezielt zurückgeschossen hätten. Ein israelischer Armeesprecher entgegnete, die israelischen Soldaten seien zuerst beschossen worden, obwohl sie die Grenzlinie nicht überschritten hätten. Israels Militär warf der libanesischen Armee "gezielte Provokation" vor. Routinearbeiten an der Grenze seien mit der UN-Militärmission im Libanon (Unifil) abgesprochen gewesen.

UN ruft zur Mäßigung auf

Nach Augenzeugenberichten dauerten die Kämpfe vier Stunden. Am Nachmittag stellte sich demnach in Adisseh wieder Ruhe ein. Geflüchtete Bewohner kehrten wieder zurück. Bei den Gefechten wurde ein Haus in Adisseh von einer israelischen Panzergranate getroffen. Ein Journalist der Tageszeitung Al-Akhbar, die der Hisbollah nahesteht, wurde getötet. Ein Reporter des Fernsehsenders Al-Manar erlitt Verletzungen.

Der libanesische Präsident Michel Suleiman verurteilte die israelische Militäraktion als "Verstoß" gegen die zum Ende des Libanon-Kriegs 2006 erlassene UN-Resolution 1701. Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri, der in Italien im Urlaub weilte, warf Israel "Aggression" und "Verletzung der Souveränität des Libanons" vor. Das israelische Außenministerium teilte mit, man sehe den Vorfall seinerseits als "klaren Verstoß" gegen die UN-Resolution 1701.

Israel betrachte die libanesische Regierung als verantwortlich für den Zwischenfall und warnte vor "Konsequenzen", sollten die Verstöße sich wiederholen. Unifil rief beide Seiten zur Mäßigung auf. "Unsere Friedenssoldaten versuchen die Ruhe in der betroffenen Region wiederherzustellen, denn das ist unsere Hauptaufgabe", erklärte der UNIFIL-Sprecher Neeraj Singh in Beirut.

© dpa/mob

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite