Nahostkonflikt Leiche von palästinensischem Jugendlichen in Jerusalem entdeckt

Ein 16-jähriger Palästinenser soll in Jerusalem entführt und getötet worden sein, berichten israelische Medien. Möglicherweise handle es sich um einen Racheakt. Israels Ministerpräsident Netanjahu verurteilt die Tat und kündigt eine schnelle Aufklärung an. Im Osten Jerusalems kommt es zu Ausschreitungen.

  • Der Nahostkonflikt spitzt sich weiter zu. In Jerusalem wird die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden - Medien berichten von einem möglichen Racheakt.
  • Im Osten Jerusalems kommt es zu Ausschreitungen zwischen aufgebrachten Palästinensern und Sicherheitskräften.
  • Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Ermordung der drei israelischen Jugendlichen und ruft Israel und Palästinenser zur Zurückhaltung auf.

Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden

Die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen ist israelischen Medienberichten zufolge in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Wie der israelische Militärrundfunk meldet, wurde der 16-jährige Teenager am frühen Morgen in Ostjerusalem gezwungen in ein Auto einzusteigen. Einige Stunden später sei seine Leiche in einem anderen Stadtteil gefunden worden. Es bestehe der Verdacht, dass er zuvor von rechtsgerichteten Israelis entführt worden sei. Vermutlich handele es sich um einen Racheakt für die Verschleppung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen, berichten die Medien.

Die Polizei teilt mit, sie ermittle in dem Fall. Der Polizeichef Jerusalems sagt der Times of Israel, noch gebe es keine Erkenntnisse zum Tatmotiv. Man gehe jeder Möglichkeit nach. Der Haaretz zufolge ist auch die Identität des Toten noch nicht bestätigt - der Vater des Jugendlichen, um den es sich mutmaßlich handelt, sei unterwegs, um seinen Sohn zu identifizieren. Anderen Berichten zufolge wies die Leiche Brandspuren auf. Der israelische Polizeiminister Izchak Aharonovich hatte vor Racheaktionen gewarnt. Am Dienstag hatten Hunderte Demonstranten in Jerusalem Vergeltung gefordert.

Ein israelischer Polizist an einem Waldstück in Jerusalem: Hier wurde die Leiche des palästinensischen Jugendlichen gefunden.

(Foto: REUTERS)

Ausschreitungen in Jerusalem

In Ostjerusalem, wo der mutmaßlich getötete Palästinenser gewohnt hat, löste die Nachricht vom Tod des Palästinensers wütende Proteste aus. Etwa 200 palästinensische Demonstranten griffen die Polizei mit Steinen an. Die Einsatzkräfte trieben die Menge mit Tränengas Gummigeschossen auseinander. Mehrere Personen sollen verletzt worden sein.

Reaktionen auf den Tod des palästinensischen Jugendlichen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Tötung des palästinensischen Jugendlichen verurteilt. Die Tat sei ein "verabscheuungswürdiges" Verbrechen, erklärt Netanjahus Büro. Der Regierungschef habe die Ermittlungsbehörden aufgefordert, "so schnell wie möglich herauszufinden", wer den Mord begangen habe.

Das Büro von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ließ, wie die Haaretz berichtet, mitteilen:

"Israel trägt die volle Verantwortung für diesen Zwischenfall. Die israelische Polizei muss die Täter zur Verantwortung ziehen. Die palästinensische Führung wird ihre Diskussionen über diese Eskalation fortsetzen und sich dabei auch an internationale Organisationen wenden."

Nir Barkat, der Bürgermeister Jerusalems äußert sich dem britischen Guardian zufolge bestürzt über den mutmaßlichen Racheakt:

"Dies ist eine schreckliche und barbarische Tat, die ich scharf verurteile. Dies ist nicht unsere Art und ich bin vollkommen überzeugt davon, dass unsere Sicherheitskräfte die Täter zur Verantwortung ziehen."

Der Onkel eines der getöteten israelischen Jugendlichen nennt den Mord "abscheulich und schockierend", berichtet die Times of Israel:

"Es gibt keinen Unterschied zwischen Blut und Blut. Ein Mörder ist ein Mörder, unabhängig von seiner Nationalität und seinem Alter. Dafür gibt es keine Rechtferigung, keine Vergebung und keine Sühne."

Stellungnahme des UN-Sicherheitsrats

Der UN-Sicherheitsrat hat den Mord an den drei israelischen Jugendlichen scharf verurteilt. Die 15 Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums seien zutiefst empört, heißt es in einer Mitteilung. Es sei eine "abscheuliche Tat". Den Familien der Opfer sprach der Rat sein Beileid aus. Die Verantwortlichen für die Tat müssten zur Rechenschaft gezogen werden, fordert das Gremium weiter. Dafür müssten Israel und die Palästinenser weiter zusammenarbeiten. Zudem rief der Rat beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Der Auslöser für den Konflikt

Drei israelische Jugendliche waren vor zweieinhalb Wochen nahe Hebron im südlichen Westjordanland verschwunden. Ihre Leichen wurden am Montag unter einem Steinhaufen bei Hebron gefunden, in einem Gebiet, das unter palästinensischer Verwaltung steht. Die Israelis wurden offenbar schon kurz nach ihrer Entführung erschossen. Am Dienstag fand die Beisetzung statt, zu der sich Tausende Trauernde versammelten.

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