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Nahostkonflikt:UN-Sicherheitsrat verurteilt Mord an israelischen Jugendlichen

An Israeli boy attends the joint funeral of three Israeli teens who were abducted and killed in the occupied West Bank, in the Israeli city of Modi'in

Israel: Ein israelischer Junge besucht die Beisetzung der drei Jugendlichen, die nahe Hebron entführt und ermordet wurden.

(Foto: REUTERS)

"Eine abscheuliche Tat": Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen spricht den Familien der getöten Jugendlichen sein Beileid aus - und ruft beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Israels Regierungschef Netanjahu hingegen droht der radikalislamischen Hamas mit einer harten Reaktion.

  • Tausende trauern bei der Beisetzung der getöteten Jugendlichen. Israelische Regierungsmitglieder fordern harte Schläge gegen Hamas.
  • Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Tat und ruft Israel und Palästinenser zur Zurückhaltung auf.
  • In Jerusalem wird Medienberichten zufolge die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden.

Stellungnahme des UN-Sicherheitsrats

Der UN-Sicherheitsrat hat den Mord an den drei israelischen Jugendlichen scharf verurteilt. Die 15 Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums seien zutiefst empört, heißt es in einer in New York veröffentlichten Mitteilung. Es sei eine "abscheuliche Tat". Den Familien der Opfer sprach der Rat sein Beileid aus. Die Verantwortlichen für die Tat müssten zur Rechenschaft gezogen werden, fordert das Gremium weiter. Dafür müssten Israel und die Palästinenser weiter zusammenarbeiten. Zudem rief der Rat beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Leiche eines palästinensischen Jugendlichen gefunden

Die Leiche eines palästinensischen Jugendlichen ist israelischen Medienberichten zufolge in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden. Es bestehe der Verdacht, dass er zuvor von rechtsgerichteten Israelis entführt worden sei, meldet das Fernsehen. Am Dienstag hatten Hunderte Demonstranten in Jerusalem Rache für den Mord an den drei jüdischen Jugendlichen gefordert.

Regierungsmitglieder fordern harte Schläge gegen Hamas

Das israelische Sicherheitskabinett tagte bis in die Nacht hinein. Die Zeitung Times of Israel schreibt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass Israel eine extensive Militäroperation wegen der Ermordung der drei Jugendlichen unternehmen werde.

Außenminister Avigdor Lieberman hatte wenige Stunden vor der Zusammenkunft eine große Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. Die Hamas bleibe eine Terrororganisation, sagte Lieberman. Deshalb müsse sie mit einer gründlichen und entschlossenen Militäroperation daran gehindert werden, noch stärker zu werden, so Lieberman.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die harten Maßnahmen gegen die radikalislamische Hamas fortzusetzen. "Wir werden die Mörder fassen und alle, die an der Entführung beteiligt waren", sagte Netanjahu. Er bekräftigte, dass Israel die Hamas als verantwortlich für die Tat sieht. Die Hamas rufe dazu auf, Israelis zu entführen. Außerdem sei die Organisation für den anhaltenden Beschuss Israels aus dem Gazastreifen verantwortlich.

Beisetzung der drei getöteten Jugendlichen

Tausende von Trauernden versammelten sich am Dienstag zur Beisetzung der drei Jugendlichen, die am Vortag nahe Hebron tot aufgefunden worden waren. Auch Netanjahu und der scheidende Staatspräsident Schimon Peres sprachen den Familien bei der Zeremonie auf dem Friedhof von Modiin - einer Stadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem - ihr Beileid aus.

Die drei Jugendlichen waren vor zweieinhalb Wochen nahe Hebron im südlichen Westjordanland verschwunden. Ihre Leichen wurden am Montag unter einem Steinhaufen bei Hebron gefunden, in einem Gebiet, das unter palästinensischer Verwaltung steht. Die Israelis wurden offenbar schon kurz nach ihrer Entführung erschossen.

Luftangriffe auf Palästinensergebiete

Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte die israelische Luftwaffe massive Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen. Es seien Präzisionsschläge gegen 34 Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer geführt worden, teilte die Armee mit. Dabei wurden nach Angaben der palästinensischen Rettungsbehörden fünf Menschen verletzt. Es war der heftigste Luftangriff auf das Palästinensergebiet seit dem letzten großen Schlagabtausch zwischen Israel und der dort herrschenden Hamas im November 2012. Militante Palästinenser hätten seit Sonntagabend mehr als 20 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert, sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv.

Appell von Außenminister Steinmeier

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte Israelis und Palästinenser auf, bei der Aufklärung des Mordes an den Jugendlichen zusammenzuarbeiten. In einem Gastkommentar für die Bild-Zeitung schrieb Steinmeier: "Ich hoffe, dass das Streben nach Frieden das Handeln in den kommenden Tagen bestimmt." Die Mörder müssten "schnell gefunden und zur Rechenschaft gezogen" werden - mitsamt ihrer Hintermänner.

"Wenn diese Tragödie in eine neue, nicht enden wollende Spirale der Gewalt führt, hätten die Täter ihr Ziel erreicht." Der Minister fügte hinzu, zur Fortsetzung des Friedensprozesses und zu einer Zwei-Staaten-Lösung gebe es "keine Alternative". Israelis und Palästinenser müssten an den Verhandlungstisch zurückkehren, "besser früher als später". Dafür müsse verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt werden. Gerade "im Moment größter Trauer und Wut" gelte es "besonnen zu bleiben".

Abbas berät mit Palästinenserführung

Palästinenserpräsident Abbas berief für den Dienstagabend eine Dringlichkeitssitzung ein. Die Palästinenserführung sollte dabei über die Auswirkungen der jüngsten Spannungen beraten. Israel hatte Abbas' Fatah-Organisation aufgefordert, ihre Einheitsregierung mit der Hamas aufzukündigen.

Die Hamas beschuldigte Israel, den Tod der Jugendlichen als Vorwand für weitere Militäraktionen gegen die Palästinenser zu benutzen. "Wir weisen alle israelische Unterstellungen und Drohungen gegen uns zurück", hieß es in einer Hamas-Erklärung. Keine Palästinensergruppe - auch nicht die Hamas - habe sich zu der Aktion bekannt.

Bei einem israelischen Militäreinsatz in Dschenin im nördlichen Westjordanland wurde in der Nacht zum Dienstag ein Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Angaben war er das sechste Opfer, das seit der Entführung der Jugendlichen am 12. Juni bei israelischen Einsätzen im Westjordanland getötet wurde. Insgesamt hat die Armee in dem Zeitraum mehr als 420 Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder.

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