Nahostkonflikt:Die neue arabische Welt

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Säkulare Führer wie Gamal Abdel Nasser oder Hafis al-Assad hatten erfolglos versucht, das Problem "allarabisch" zu lösen. Ihre Chimäre arabischer Einheit endete mit den Kriegen von 1967 und 1973. Seitdem standen die Palästinenser allein da, die arabische Solidarität blieb ein Lippenbekenntnis, korrupte Regime tolerierten auf Druck des Westens Israels Politik der Härte. Jetzt, wo Islamisten die Nachfolge der Diktatoren antreten, können sich die Religiösen Palästina zuwenden. Das fällt ihnen leicht: In der Hamas finden sie eine der Ihren.

Beispiel Ägypten: Der Friedensvertrag mit Israel wurde vom Volk nie akzeptiert. Der Präsident und Muslimbruder Mursi mag seine internationalen Verpflichtungen kennen. Er will aber auch seine Wähler zufrieden stellen. Palästina-Frage und Camp-David-Vertrag könnten zur Nagelprobe werden, trotz der weit drängenderen sozialen Probleme.

So wird sich jedes Land entscheiden müssen, dessen Regime unter dem Druck der Straße fällt. Es schließen sich sogar Staaten an, denen die Revolte bisher erspart blieb: Der Emir von Katar steht mit dem Scheckbuch bereit. Die Saudis lassen sich nicht lumpen, die Türken geben sich als Freunde der Hamas. Auch international verschieben sich die Gewichte. Die USA oder die Europäer suchen Wege, mit der neuen arabischen Welt ins Gespräch zu kommen: Bedingungslose Solidarität mit Israel ist nicht mehr garantiert.

Ja, Israel kann noch einmal Stärke zeigen. Es kann die Menschen mit Bomben in noch größere Radikalität treiben, Verhandlungslösungen boykottieren mit seinem Siedlungsbau: Das erwachende arabische Selbstbewusstsein wird sich am Palästina-Problem umso stärker ideologisch aufladen - Netanjahu gibt einen nützlichen Feind ab. Dann aber steht Israel keiner panarabischen, sondern einer islamischen Front gegenüber - es ist nur eine Frage der Zeit.

Eine ähnliche Front begleitete Israel nach der Staatsgründung und zerbrach erst mit dem Camp-David-Vertrag. Nun könnte der Kreislauf von vorne beginnen, wenn die Parteien den historischen Augenblick ignorieren. Die Lösungen sind bekannt: Sicherheit für Israel, Menschenwürde und ein Staat für die Palästinenser, Druck auf die Kontrahenten von außen. Die alten Ausreden jedenfalls tragen nicht mehr weit.

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