Nahostkonflikt Schwere Krawalle in Jerusalem

In Jerusalem ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen israelischer Polizei und palästinensischen Demonstranten gekommen.

(Foto: Getty Images)

Mit Steinen und Feuerwerkskörpern gegen Polizisten: In Ostjerusalem kommt es zu schweren Ausschreitungen. Israel wird mit Raketen beschossen - und antwortet seinerseits mit Luftangriffen auf den Gazastreifen.

  • Die Ermordung dreier heranwachsender Israelis und eines Palästinenserjungen gefährdet den fragilen Nahost-Friedensprozess: Demonstranten beider Lager randalieren in Jerusalem.
  • Israels Luftwaffe fliegt Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen als Reaktion auf Raketenbeschuss - die palästinensische Seite erwidert erneut.
  • Die Vereinten Nationen warnen vor Blutvergießen.

Israelische Kampfflugzeuge greifen Ziele im Gazastreifen an

Die mutmaßliche Vergeltungsaktion für den Mord an drei israelischen Jugendlichen heizt die angespannte Lage im Nahen Osten weiter an: Israel fliegt Luftangriffe gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen als Reaktion auf einen Raketenbeschuss. Die palästinensische Seite reagiert Berichten der New York Times und der Times of Israel zufolge mit erneuten Raketenabschüssen.

Nach Angaben der israelischen Streitkräfte haben sie 15 Hamas-Ziele angegriffen. Bei diesem Angriff wurden nach israelischen Medienangaben in Sderot ein Haus und mehrere Autos getroffen, der Strom sei teilweise ausgefallen.

Daraufhin habe man Raketenabschusseinrichtungen und Waffenlager der Hamas attackiert. Palästinensische Augenzeugen berichten von heftigen Explosionen und sprechen von mehr als zehn Luftangriffen. Etwa zehn Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht und es seien Gebäude beschädigt worden.

Krawalle in Ostjerusalem

Am Mittwochabend bewarfen Hunderte aufgebrachte jugendliche Palästinenser die israelische Polizei nach Augenzeugenberichten mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Zwei Gebäude und Autoreifen wurden in Brand gesetzt. Die Einsatzkräfte setzten ihrerseits Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein. Den gesamten Tag über war es bereits zu Ausschreitungen gekommen.

Auslöser der Proteste: Jugendlicher tot aufgefunden

Grund für die Krawalle in Ostjerusalem war der Tod eines 16-jährigen Palästinensers namens Mohammed Abu Chedair, dessen Leiche am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden war. Nach palästinensischen Angaben sei der Jugendliche in der Nacht auf Mittwoch vor seinem Haus im Viertel Schoafat in Ostjerusalem entführt worden. Er soll an diesem Donnerstagvormittag beerdigt werden. Medienberichten zufolge wächst die Sorge vor neuen Ausschreitungen.

Israelische Medien sprachen von möglicher Rache rechtsgerichteter Israelis: Das Verbrechen ereignete sich einen Tag nach der Beerdigung von drei jüdischen Religionsschülern, die ihrerseits im Westjordanland verschleppt und ermordet worden waren. Familienangehörige der drei Jungen verurteilten die mögliche Vergeltungstat zutiefst. Der Onkel eines der ermordeten Teenager, Yishai Frankel, sagte CNN zufolge: "Jede Art des Racheaktes ist absolut unangemessen und falsch. Mord ist Mord".

Nach dem Fund der Leichen der drei entführten israelischen Jugendlichen setzt Israel die Suche nach ihren Mördern fort. Wie die israelische Tageszeitung Haaretz und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend berichten, nahm die Armee in der Nacht zum Donnerstag 13 Menschen fest. Außerdem wurden zwei der radikalislamischen Hamas nahestehende Organisationen durchsucht.

Internationale Besorgnis

Die Europäische Union äußerte sich "extrem besorgt über die jüngsten Entwicklungen, die das Risiko einer Eskalation erhöhen". Die Behörde der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton verurteilte die Ermordung des palästinensischen Jugendlichen und forderte, "die Verantwortlichen hinter dieser Tat müssen zur Rechenschaft gezogen werden". US-Außenminister John Kerry führte ein Krisentelefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und rief beide Seiten dazu auf, "besonnen" zu reagieren und die Täter vor Gericht zu bringen.

Linktipps:

  • Die Ereignisse vom Vortag finden Sie hier.
  • SZ.de-Autorin Hannah Beitzer erklärt, was die Ermordung der drei israelischen Jugendlichen für den Nahostkonflikt bedeutet.