Süddeutsche Zeitung

Nahostkonflikt:Mindestens vier Tote bei Ausschreitungen in Palästinensergebieten

  • An diesem Freitag kam es in den Palästinensergebieten erneut zu Protesten gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.
  • Hunderte israelische Soldaten und Grenzpolizisten waren zusätzlich an der Grenze zum Gazastreifen und in Orten im Westjordanland postiert worden.
  • Mindestens vier Palästinenser starben, rund 400 weitere wurden bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten verletzt.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Nach dem Freitagsgebet gab es erneut heftige Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Einsatzkräften. Mindestens vier Palästinenser starben, rund 400 weitere wurden bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten durch scharfe Munition, Gummimantelgeschosse und Tränengas verletzt. Dies teilten das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza und der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mit.

Die Unruhen konzentrierten sich vor allem auf Jerusalem, Ramallah, Hebron und Bethlehem sowie den Gazastreifen. In den Tagen davor waren die Zusammenstöße abgeklungen, die ausgebrochen waren, nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. In Bethlehem und in Nazareth beeinträchtigen die Auseinandersetzungen die üblichen Vorbereitungen auf Weihnachten.

Wie schon in der Vorwoche haben die Israelis den Zugang zum Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt für Muslime dennoch nicht eingeschränkt. Hunderte Soldaten und Grenzpolizisten wurden zusätzlich an der Grenze zum Gazastreifen und in Orten im Westjordanland postiert. Außerdem gab es Verhaftungswellen: Im Westjordanland gab es eine der größten Razzien in der jüngsten Geschichte, es wurden in den vergangenen Tagen von der israelischen Polizei insgesamt 421 Palästinenser festgenommen, in Ostjerusalem rund 80. Den Festgenommenen werden unter anderem terroristische Aktivitäten und Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen.

Die Ausschreitungen haben auch Einfluss auf die Weihnachtsfeiern im nordisraelischen Nazareth sowie in Bethlehem im Westjordanland, wo in den vergangenen Tagen die heftigsten Straßenkämpfe tobten. Der Bürgermeister von Nazareth, Ali Salam, kündigte den Stopp einiger Weihnachts-Aktivitäten an, so soll das Fest in diesem Jahr ohne Gesangs- und sonstigen Bühnen-Auftritte stattfinden. "Die Entscheidung von Trump hat uns sämtliche Freude genommen", begründete der muslimisch-arabische Bürgermeister diesen Schritt. Die Stadt dementierte Berichte, wonach auch der große Adventsmarkt abgesagt werden sollte.

Nazareth gilt als jener Ort, an dem der Erzengel Gabriel Maria die Geburt des künftigen Erlösers Jesus angekündigt hat. Gemäß der biblischen Überlieferung ist Jesus in Nazareth aufgewachsen. Deshalb kommen die meisten der Touristen hierher - vor allem in der Weihnachtszeit. Viele der rund 75 000 Einwohner - ein Drittel sind Christen und zwei Drittel Muslime - leben vom Tourismus.

Vom Verlauf der Auseinandersetzungen in Bethlehem hängt ab, wie stark die Weihnachtsfeiern dort betroffen sind. Als Trumps Entscheidung am 5. Dezember durchsickerte, wurden am Abend auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche Bilder des US-Präsidenten verbrannt. Seither haben sich die Proteste außerhalb des Stadtzentrums verlagert.

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SZ.de/ghe/liv/cat/bemo
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