Nahostkonflikt:Israels Armee bombardiert Tunnel im Gazastreifen

Smoke rises following an Israeli air strike on the Gaza Strip as seen from the Israeli side of the border

Rauch über dem Gazastreifen nach dem israelischen Luftangriff.

(Foto: REUTERS)
  • Israel hat eigenen Angaben zufolge den neunten Tunnel seit Oktober im Gazastreifen zerstört.
  • Außerdem wurde der einzige Warenübergang in den Gazastreifen geschlossen.
  • Etwa 1,2 der zwei Millionen Menschen im Gazastreifen sind auf Hilfslieferungen angewiesen.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Die israelischen Streitkräfte haben am Samstagabend den Gazastreifen bombardiert. Nach Angaben ihres Sprechers Jonathan Conricus war das Ziel ein Tunnel bei Beit Hanun in der Nähe des nördlichen Grenzübergangs Erez. Es sei der neunte Tunnel seit vergangenem Oktober gewesen, den man entdeckt und zerstört habe.

Der ein Kilometer lange Tunnel sei über mehrere Monate gebaut worden, lag innerhalb der Sicherheitszone und reichte noch nicht auf israelisches Gebiet. Es sollen sieben Geschosse abgefeuert worden sein.

Außerdem schlossen die Streitkräfte den einzigen Warenübergang in den Gazastreifen. Conricus verteidigte den Schritt: Die Anlagen am Grenzübergang Kerem Schalom seien bei den Palästinenserprotesten am Freitag so schwer beschädigt worden, dass es technisch unmöglich sei, diesen vorerst zu nutzen. Dies sei keine Bestrafungsaktion, beteuerte der Armeesprecher. Bereits in der Vorwoche wurden durch das Anzünden von Feuer Schäden auf diesem Grenzübergang verursacht.

Der Gazastreifen wurde von Israel weitgehend abgeriegelt, seit dort 2007 die islamistische Hamas-Bewegung die Macht übernahm. Die Schließung von Kerem Schalom könnte die ohnehin prekäre Versorgungslage im Gazastreifen aber weiter verschlimmern. Sechs Lkw durften allerdings aus "humanitären Gründen" passieren. Etwa 1,2 der zwei Millionen Menschen im Gazastreifen sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Ägypten, das seinerseits die Grenze zum Gazastreifen überwiegend geschlossen hält, öffnete seinen Übergang am Samstag für vier Tage.

Aus Anlass des 70. Jahrestags der Staatsgründung Israels und der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem am Montag und des Nakba-Tages am Dienstag, an dem die Palästinenser an ihre Flucht und Vertreibung erinnern, wird mit heftigen Auseinandersetzungen und weiteren Todesopfern gerechnet. Am Samstag erlag ein 15-jähriger Palästinenser seinen Verletzungen. Bei den vielfach gewalttätigen Protesten gegen Vertreibung und Landnahme wurden seit Ende März 53 Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen.

Hamas-Chef Jahia Sinwar hatte am Donnerstag in einem Gespräch mit Journalisten seine Unterstützung für Grenzdurchbrüche nach Israel deutlich gemacht. "Was ist das Problem, wenn Hunderttausende einen Zaun durchbrechen, der keine Grenze ist?" Er äußerte die Hoffnung, dass israelische Soldaten bei "friedlichen" Protesten nicht schießen würden.

Israel will Streifkräfte vor Ort verdoppeln

Armeesprecher Conricus kündigte an, dass die Anzahl der Streitkräfte vor Ort in den nächsten Tagen verdoppelt werde. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Bisher hieß es, dass hundert Scharfschützen entlang der Grenze stationiert gewesen seien. Israel rechtfertigt das Vorgehen damit, dass man das Recht habe, seine Grenze zu schützen.

Conricus richtete auch eine Warnung an die Hamas. "Wir haben die Information, dass die Hamas die Proteste für terroristische Aktivitäten nützt. Wir sind entschlossen, jegliches Eindringen zu verhindern." Es werde einen massiven Tränengaseinsatz geben und wenn notwendig, werde auch scharf geschossen.

Im Norden des Landes sei die Lage dagegen ruhig, versicherte der Armeesprecher. Die Entwicklungen in Syrien und insbesondere iranische Bewegungen würden genau beobachtet. Die Bevölkerung werde nicht mehr aufgefordert, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten. Laut israelischen Angaben hat Iran in der Nacht zum Donnerstag 20 Raketen auf die von Israel annektierten Golanhöhen abgefeuert. Vier seien von Israel abgefangen worden, der Rest auf syrischem Gebiet eingeschlagen.

Daraufhin hatte Israel den bisher massivsten Luftangriff seit 1974 gestartet und iranische Stellungen in Syrien unter Beschuss genommen. Dabei sollen nach unbestätigten Informationen 42 Menschen, unter ihnen 19 Iraner, getötet worden sein. Irans Ajatollah Ahmad Chatami drohte in seiner Freitagspredigt mit der Zerstörung von Tel Aviv und Haifa, "sollte Israel töricht handeln".

© SZ.de/lalse/plin
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