Nahostkonflikt:Israel lässt 26 inhaftierte Palästinenser frei

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Israel hat erneut 26 palästinensische Langzeithäftlinge in die Freiheit entlassen. Angehörige der Opfer hatten zuvor versucht, die Freilassung der Gefangenen per Gericht zu verhindern. Sie sprechen von "tickenden Zeitbomben". Die Lage im Nahostkonflikt bleibt angespannt.

Israel hat im Rahmen der neuen Nahost-Friedensbemühungen weitere palästinensische Häftlinge freigelassen. Am Dienstag wurden 26 von insgesamt 104 Gefangene auf freien Fuß gesetzt, die dritte Gruppe von insgesamt vier. Die meisten von ihnen waren wegen der Tötung von Israelis verurteilt worden, fast alle vor der Unterzeichnung der ersten Friedensabkommen vor 20 Jahren.

Angehörige bereiteten den Rückkehrern einen begeisterten Empfang. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas begrüßte eine Gruppe von 18 im Westjordanland freigelassenen Häftlingen persönlich. "Es ist ein glücklicher Tag für uns alle und die heldenhaften Gefangenen, die heute freigekommen sind, um als freie Menschen zu leben", sagte er umringt von den Ex-Häftlingen.

Den Anwesenden versicherte Abbas, kein Friedensabkommen mit Israel zu unterzeichnen, bevor nicht alle in israelischen Gefängnissen einsitzenden Palästinenser freikämen. Dies sind derzeit knapp 5000.

Die Familien der israelischen Opfer hatten zuvor versucht, die Freilassung per Gerichtsbeschluss zu stoppen - allerdings ohne Erfolg. 150 Angehörige von Opfern protestierten am Montagabend vor dem Wohnsitz von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Jerusalem.

"Tickende Zeitbomben"

Die freigelassenen Palästinenser saßen seit mindestens 19 Jahren in israelischen Gefängnissen. Die meisten von ihnen waren wegen der Tötung israelischer Zivilisten oder Soldaten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der israelische Opferverband bezeichnete sie als "tickende Zeitbomben".

Die Friedensgespräche waren im Juli nach einer dreijährigen Pause wieder aufgenommen worden. Maßgeblich beteiligt daran war US-Außenminister John Kerry, der am Donnerstag in den Nahen Osten zurückkehren soll. Allerdings gibt es keine Anzeichen für substanzielle Fortschritte bei den neuen Verhandlungen. Die Friedensgespräche treten seit Monaten auf der Stelle. Israelischen Regierungskreisen zufolge soll zudem der Bau neuer Wohnungen in jüdischen Siedlungen im Westjordanland angekündigt werden, was das Verhältnis weiter belastet. Die Palästinenser haben erklärt, der Bau würde zum Scheitern der Verhandlungen führen.

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