Nahostkonflikt Israel fliegt Luftangriffe im Gazastreifen

  • Aus dem Gazastreifen sind am Dienstag offenbar mehrfach Geschosse nach Israel gefeuert worden.
  • Dem israelischen Militär zufolge wurden die meisten vom Flugabwehrsytem Iron Dome aufgehalten.
  • Israel reagiert mit Luftangriffen, die bereits begonnen haben. Getroffen wurden offenbar Stellungen der Terrororganisation "Islamischer Dschihad" und der Hamas.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Nach eigenen Angaben ist die israelischen Armee eine Serie von Luftangriffen auf den Gazastreifen geflogen. Es handle sich um die größte Operation seit Ende des Gazakriegs 2014. "Die Situation, dass eine Terrororganisation auf israelische Orte feuert, ist unakzeptabel. Seit Mittag haben wir eine Serie von Angriffen im gesamten Gazastreifen begonnen", sagte Armeesprecher Ronen Manelis in einem kurzfristig einberufenen Gespräch mit Journalisten. Ein weiterer Sprecher sagte, die Armee habe 30 Luftschläge auf sieben Ziele im Gazastreifen durchgeführt.

Nach palästinensischen Angaben wurden am Dienstag mindestens 114 Mörsergranaten und Raketen auf Israel abgefeuert. Es gab fünf Verletzte. Hamas und Islamischer Dschihad übernahmen in eine Stellungnahme gemeinsam die Verantwortung. Nach Angaben der israelischen Armee stammen die Mörsergranaten aus iranischer Produktion. Mindestens 25 seien durch das Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden.

Um Sderot und Aschkelon waren Sirenen zu hören. Es war der fünfte Alarm an diesem Tag. Man habe die Bevölkerung im Süden Israels aufgefordert, binnen 15 Sekunden in den Bunkern sein zu können, wenn notwendig, so ein Armeesprecher.

Am Morgen war israelischen Medienberichten zufolge eine Mörsergranate im Außenbereich eines geschlossenen Kindergartens eingeschlagen. Ein Israeli wurde durch ein Schrapnell leicht an der Schulter verletzt, es entstand kein schwerer Sachschaden. Der Angriff aus Gaza war das erste Mal seit Beginn der Proteste entlang des Gazastreifens am 30. März, dass Geschosse auf Israel abgefeuert wurden. Es soll sich um die größte Mörser-Attacke seit dem Gazakrieg 2014 gehandelt haben.

Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigt, dass die Streitkräfte "mit großer Heftigkeit reagieren" würden. Israel werde "einen Preis dafür verlangen von jedem, der dem Land schaden will." Palästinensischen Medien und Augenzeugen zufolge wurden Stellungen der Terrororganisation "Islamischer Dschihad" und der Hamas getroffen. Nach Angaben der Hamas wurde eines ihrer Trainingszentren getroffen.

Nach Einschätzungen in Israel könnte der "Islamische Dschihad" hinter den Mörser-Attacken stecken. Die Terrororganisation hatte Rache für die Tötung von dreien ihrer Kämpfer geschworen, die am Sonntag durch die israelische Armee getötet worden waren. "Der zionistische Gegner kann nicht eine neue Formel diktieren, wonach unsere Leute zu Schaden kommen, ohne eine schmerzhafte Reaktion darauf", erklärten die Al-Quds-Brigaden, der militärische Arm der Gruppe.

Mehr als 120 Palästinenser getötet

Weiter gab die israelische Armee bekannt, dass ein Schiff mit 17 Palästinensern abgefangen worden sei, das die Seeblockade durchbrechen wollte. Es hab keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Das Schiff wurde auf die israelische Marinebasis in Ashdod gebracht.

Seit dem 30. März sind mehr als 120 Palästinenser bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten am Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen getötet worden, Tausende wurden verletzt. Darunter sind auch Dutzende Kämpfer der radikalislamischen Hamas und des "Islamischen Dschihad", der von Iran unterstützt wird. Der "Islamische Dschihad" hatte zuletzt am 30. November des Vorjahres Mörsergranaten auf Israel abgefeuert.

Nachdem am 14. Mai alleine 62 Menschen am Grenzzaun erschossen worden waren, flauten die Proteste ab. Die jetzigen Angriffe aus dem Gazastreifen dürften zum Aufflammen des Konflikts beitragen. Die regierende Hamas bezeichnete es als Erfolg der Proteste, dass die Grenze zu Ägypten während des Ramadan geöffnet bleibe und so die Blockade gelockert würde. Es wurde auch von Geheimverhandlungen zwischen Israel und der Hamas mit Ägypten als Vermittler berichtet.

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