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Nahostkonflikt:Hamas geht nach jahrelangem Konflikt auf Fatah zu

Der Sohn von Rawda al-Zaanoun (rechts im Bild) unterstützte die Fatah, der Sohn von Bassma Abu Qadous die Hamas. Beide wurden 2007 getötet, als sich die Palästinenserorganisationen bekämpften.

(Foto: AFP)
  • Die Hamas bietet der rivalisierenden Fatah die Verwaltung im Gazastreifen an.
  • Das könnte zu einer Versöhnung der beiden Palästinenser-Organisation führen.
  • Die Fatah begrüßt den Schritt, sieht aber noch viele Bedingungen für eine endgültige Aussöhnung.
  • Aktuell kontrolliert die radikal-islamische Hamas den Gazastreifen. Die Fatah von Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas herrscht im Westjordanland.

Die Hamas hat sich bereit erklärt, die Verwaltung des Gazastreifens abzugeben. Die radikal-islamische Palästinenser-Organisation teilte mit, sie lade die Regierung des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas ein, "in den Gazastreifen zu kommen und ihre Aufgaben sofort zu übernehmen". Die rivalisierende Fatah von Abbas reagierte vorsichtig auf das Versöhnungsangebot.

Fatah und Hamas liefern sich seit Jahren einen blutigen Bruderkrieg. Bisher sind alle Versöhnungsversuche gescheitert. Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die alleinige Macht im Gazastreifen an sich gerissen und die Fatah vertrieben. Seitdem herrscht die Fatah nur im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen, wo etwa zwei Millionen Menschen leben.

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In der Erklärung akzeptierte die Hamas einige Kernforderungen, die Abbas zur Bedingung für eine Versöhnung gemacht hatte. Die Organisation willigte ein, ihr Verwaltungskomitee für den Gazastreifen aufzulösen. Außerdem stimme sie allgemeinen Wahlen zu.

Der Schritt sei Ergebnis "großzügiger Bemühungen von Ägypten, eine palästinensische Versöhnung herbeizuführen", hieß es in der Mitteilung. Hamas-Chef Ismail Hanija hielt sich zuletzt eine Woche lang mit einem Team zu Gesprächen in Kairo auf. Eine Fatah-Delegation kam vor zwei Tagen in der ägyptischen Hauptstadt an, um Verhandlungen zu führen.

Die Fatah begrüßt den Schritt, bleibt aber vorsichtig

Mahmud al-Alul, Mitglied des Fatah-Zentralkomitees und Vize von Abbas, sprach im palästinensischen Rundfunk von "guten Nachrichten". Er blieb jedoch skeptisch, ob dies wirklich zu einer umfassenden Versöhnung führen wird. "Es ist gut, dass die Hamas die Auflösung des Verwaltungskomitees (im Gazastreifen) erklärt hat sowie die Bereitschaft, die Kontrolle an die palästinensische Regierung zu übergeben", sagte Al-Alul. "Aber wir müssen abwarten und sehen, wie viele Bedingungen der vorherigen Abkommen wir umsetzen können."

Die Hamas propagiert weiter den bewaffneten Widerstand gegen Israel und den Anspruch auf das gesamte historische Palästina. USA, EU und Israel stufen sie als Terrororganisation ein. Israel hat eine Blockade über den Gazastreifen verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben Israel und die Hamas drei Kriege gegeneinander geführt, die schwere Zerstörungen in dem Küstengebiet hinterlassen haben.

"Dramatische humanitäre Situation" im Gazastreifen

Seit 2006 gab es in den Palästinensergebieten keine Parlamentswahlen mehr. Die Hamas hatte damals die Mehrheit gewonnen. 2014 bildeten die beiden größten Palästinenser-Organisationen eine Einheitsregierung und kündigten allgemeine Wahlen an. Wie viele andere zuvor scheiterte jedoch auch diese Initiative. Zuletzt hatte die Fatah den Druck auf die Hamas erhöht. Auf Wunsch von Abbas rationierte Israel etwa die Stromlieferungen in den Gazastreifen. Auch die Gehälter Tausender öffentlicher Angestellter im Gazastreifen wurden gekürzt.

Die Einwohner hatten in den vergangenen Monaten nur wenige Stunden am Tag Strom zur Verfügung. UN-Generalsekretär António Guterres sprach Ende August bei einem Besuch in dem Küstenstreifen von "einer der dramatischsten humanitären Krisen", die er je gesehen habe.

Der UN-Nahostgesandte Nickolay Mladenov begrüßte den Schritt der Hamas am Sonntag und dankte Ägypten für den positiven Impuls. "Alle Beteiligten müssen die Gelegenheit ergreifen, ein neues Kapitel für das palästinensische Volk aufzuschlagen", schrieb Mladenov auf Twitter. Er hoffe, dass sich die humanitäre Situation im Gazastreifen nun verbessere.

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