Nahostkonflikt Oppression wird um Sippenhaft angereichert

Zusätzliche Polizisten und vielleicht bald auch Soldaten werden nach Jerusalem beordert, an den Zugängen zu den arabischen Vierteln werden Checkpoints errichtet, die Waffengesetze sollen zum Zweck der besseren Selbstverteidigung gelockert werden.

Die Oppression wird noch um Sippenhaft und Kollektivstrafen angereichert, wenn die Familienmitglieder palästinensischer Attentäter festgenommen und ihre Häuser zerstört werden. Abschreckende Wirkung hatten solche inhumanen Maßnahmen bislang nie, sie haben immer nur neue Anschläge provoziert.

Unschuldig ist auch Abbas nicht

Doch damit nicht genug. Auch auf der politischen Ebene sind die Bulldozer unterwegs, die alle Brücken einreißen nach Ramallah. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, der eigentlich Israels Ansprechpartner für Friedensverhandlungen sein sollte und könnte, wird von Netanjahu und dessen Fußsoldaten so unverantwortlich als "Hetzer" und "Kriegstreiber" beschimpft, dass ihm schließlich sogar der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes zur Hilfe eilen musste.

Israel zerstört Haus eines früheren Attentäters

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem will Ministerpräsident Netanjahu die Häuser der Angreifer abreißen lassen. Israels Polizei und Militär zerstören unterdessen das Haus eines Palästinensers, der im Oktober zwei Menschen getötet hatte. mehr ...

Unschuldig an der Eskalation ist Abbas freilich nicht. Zwar hat er den Synagogen-Anschlag sogleich verurteilt, zuvor allerdings hatte er einen anderen Jerusalemer Attentäter zum Märtyrer erkoren und zur Verteidigung der Al-Aksa-Moschee "mit allen Mitteln" aufgerufen.

Statt zu mäßigen also hat auch er die Flammen angefacht und sich in Niederungen begeben, in denen sonst nur die Hamas ihr Unwesen treibt. Wozu das führt, war im Gazastreifen zu beobachten, wo das bestialische Blutbad in der Synagoge mit Freudenschüssen und der Verteilung von Süßigkeiten gefeiert wurde.

Angesichts solcher Verrohung und Verhärtung ist von außen derzeit kaum noch Einfluss zu gewinnen auf diesen Konflikt. Es fehlt gewiss nicht an Initiativen. So sieht der unermüdliche US-Außenminister John Kerry auch diese Krise wieder als Chance, den Friedensprozess neu anzustoßen. Die EU-Vertreter basteln an einer Anreiz- und Sanktionsliste für Israelis und Palästinenser. Und die Schweden, Briten, Spanier und Franzosen glauben, dem Frieden durch eine voreilige Anerkennung Palästinas dienen zu können.

Doch das sind nur diplomatische Trockenübungen, weit weg von den realen Schlachten. Allein die Führungen der Israelis und der Palästinenser können nun noch eine fatale Fehlentwicklung abwenden. Wenn sie weiter auf Konfrontationskurs bleiben, werden beide Völker einen hohen Preis dafür zu zahlen haben.

Nach dem Krieg kein Frieden

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