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Nahostkonflikt:Beide Seiten fachen die Flammen an

In der Nähe von Ramallah wehrt sich ein junger Palästinenser gegen das israelische Militär und schleudert Tränengas zurück.

(Foto: AFP)

In den politischen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern mischt sich mehr und mehr die Religion. Das macht die Lage explosiv und unberechenbar. Rund um Jerusalem koalieren die Verrückten und die Verantwortungslosen.

Es Ist genau geplant. Das Dynamit liegt bereit. Die Angreifer sind fest entschlossen. Ihr Plan: den muslimischen Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem zu sprengen. Ihr Ziel: einen Religionskrieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu entfachen.

Keine Sorge, das ist kein aktuelles Komplott. Es ist auch kein Horrorszenario aus einem Science-Fiction-Roman. Es ist Geschichte. 1984 wurde dieser Anschlagsplan einer jüdischen Untergrundgruppe gerade noch vereitelt. Man kann daraus für heute lernen, dass der Konflikt im Heiligen Land, auch wenn es zuvörderst um Grenzen geht, immer schon religiös aufgeladen war.

In den politischen Konflikt mischt sich die Religion

Extremisten gab und gibt es auf beiden Seiten, die Linie führt im Zick-Zack über die Fronten - vom jüdischen Siedler Baruch Goldstein, der 1994 in der Hebroner Ibrahim-Moschee 29 Muslime mit seinem Sturmgewehr erschoss, bis zu den beiden palästinensischen Attentätern, die nun in einer Jerusalemer Synagoge unter "Allahu-Akbar"-Rufen vier Juden beim Morgengebet massakrierten.

Brandgefährlich sind solche Taten in jedem Fall. Denn wenn es um Gott geht, wird die Grenze überschritten in ein Reich jenseits der Ratio. Ein politischer Konflikt ist mit Vernunft und Kompromissen zu lösen. Ein religiöser Konflikt entzieht sich jeder Kontrolle und jeder Vermittlung. Überdies kennt er keine Grenzen und kann jederzeit einen Flächenbrand auslösen. Geht es um Felsendom und Al-Aksa-Moschee, heilige Stätten für 1,6 Milliarden Muslime, lassen sich vom IS-Kämpfer in Syrien bis zum Bauern in Sumatra die Emotionen schüren.

Die Aufgabe der Politik also muss es sein, die beiden Sphären zu trennen. Das oberste Gebot ist dabei die Deeskalation. Rund um Jerusalem aber ist derzeit genau das Gegenteil zu beobachten: Es koalieren die Verrückten und die Verantwortungslosen. Der Konflikt wird nicht eingedämmt, sondern zugespitzt.

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Würde die Anerkennung des Staates Palästinas den Nahostkonflikt entschärfen?

Am 15. November 1988 hat die PLO den Staat Palästina ausgerufen. Nachdem Schweden den Staat bereits anerkannt hat, sprechen sich nun die Parlamente von England und Spanien dafür aus. Welchen Einfluss würde ein solcher Akt auf den Nahostkonflikt haben?   Diskutieren Sie mit uns.

Auf israelischer Seite regiert die "harte Hand", mit der Premierminister Benjamin Netanjahu nicht nur die Palästinenser umklammert, sondern gleich auch noch alle Warnungen der Freunde in Washington oder Berlin vom Tisch wischt. Seine Antwort auf palästinensische Anschläge und die Gewalt auf den Straßen ist noch mehr Gewalt.