Nahost-Konflikt Syrien meldet Angriffe israelischer Kampfflugzeuge

  • Die israelische Luftwaffe hat nach syrischen Angaben mehrere Ziele im Umland der Hauptstadt Damaskus angegriffen.
  • Die syrische Armee hat nach Angaben von Aktivisten einen Angriff von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf einen wichtigen Luftwaffenstützpunkt in der östlichen Provinz Deir Essor zurückgedrängt.

Das syrische Staatsfernsehen hat Israel vorgeworfen, Luftangriffe auf zwei Gebiete unter Regierungskontrolle nahe der Hauptstadt Damaskus geflogen zu haben. "Heute Nachmittag hat der israelische Feind Syrien attackiert, indem er zwei sichere Gebiete in der Provinz Damaskus angegriffen hat", hieß es im syrischen Staatsfernsehen. Dabei handle es sich um "die Gegend von Dimas und die Gegend um den internationalen Flughafen von Damaskus". Es gebe Sachschäden, aber niemand sei verletzt worden.

Im syrischen Fernsehen hieß es weiter, Israel versuche, "den Terroristen in Syrien zu helfen". Damit meint die Staatsführung in Damaskus Rebellengruppen, die gegen die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad kämpfen.

Eine Oppositionsgruppe erklärte, es habe mindestens zehn Explosionen gegeben. Aus Israel gab es zunächst keine Bestätigung für Luftangriffe in dem arabischen Nachbarland. "Wir kommentieren keine Berichte ausländischer Medien", sagte eine Militärsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Israelische Medien berichteten, Ziel könne ein Lager mit Raketenabwehrsystemen gewesen sein, um eine mögliche Lieferung der Waffen an die Hisbollah-Miliz im Libanon zu verhindern.

Im März Angriffe in der Region Kuneitra

Israel hat in der Vergangenheit mehrfach Angriffe auf Militäranlagen in Syrien geflogen, ohne direkt in den Krieg zwischen dem syrischen Regime und den Rebellen in dem Land einzugreifen. Militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und Syrien gibt es sporadisch im Bereich der seit dem Jahr 1967 zu zwei Dritteln von Israel besetzten Golanhöhen. Im September schoss Israel ein syrisches Kampfflugzeug über den Golanhöhen ab. Im März hatte die Luftwaffe Angriffe auf militärische Ziele in der Region Kuneitra geflogen. Damaskus liegt allerdings weiter im syrischen Landesinnern.

Für die Golanhöhen gilt seit dem Jahr 1974 ein Waffenstillstand, der von den Vereinten Nationen überwacht wird. Entlang der Demarkationslinie wurde eine Pufferzone eingerichtet. Die anhaltenden Gefechte der syrischen Regierungsarmee gegen Rebellen greifen aber immer wieder auf die entmilitarisierte Zone über und führten zu Verletzungen der Waffenstillstandslinie.

Im Sommer hatten syrische Rebellen fast vollständig die Kontrolle über die Osthänge der Golanhöhen übernommen. Damaskus versuchte daraufhin auch mit Luftunterstützung, verlorene Gebiete zurückzuerobern.

Syrische Armee drängt IS-Kämpfer bei Deir Essor zurück

Die syrische Armee hat nach Angaben von Aktivisten einen Angriff von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf einen wichtigen Luftwaffenstützpunkt in der östlichen Provinz Deir Essor zurückgedrängt. Die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad hätten "die Attacke gestoppt", berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Mehr als hundert IS-Kämpfer und mindestens 59 Soldaten seien in den Gefechten getötet worden. Da die Armee Chlorit eingesetzt habe, hätten viele Dschihadisten unter "Atemnot" gelitten.

Am Samstag hatte die Beobachtungsstelle berichtet, IS-Kämpfer hätten mehrere Bereiche der Luftwaffenbasis eingenommen. Die Dschihadisten kontrollieren seit einer Blitzoffensive im Frühsommer weite Gebiete im Norden und Westen des Iraks sowie im Osten und Norden Syriens. Deir Essor gehört seit langem zu ihren Hochburgen. In den von ihnen kontrollierten Gebieten riefen die Dschihadisten ein Kalifat aus.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle tritt für den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ein. Sie stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

In Syrien und im Irak hat der IS je rund ein Drittel Landesfläche unter seine Kontrolle gebracht und staatsähnliche Strukturen erschaffen. Die Dschihadisten sprechen von ihren Eroberungen als "Kalifat". Im Kampf gegen dieses Kalifat wollen die Außenminister Syriens und des Iraks an einer vom Iran initiierten internationalen Konferenz teilnehmen. Iran hat für kommenden Dienstag und Mittwoch zu der Tagung in Teheran aufgerufen.

135 Festnahmen in Saudi-Arabien wegen "Terrorverdachts"

Unterdessen wurden in Saudi-Arabien 135 Menschen unter "Terrorverdacht" festgenommen worden. Unter den Verdächtigen seien auch 26 Ausländer, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag laut der amtlichen Nachrichtenagentur Spa. Davon seien 16 Syrer und drei Jemeniten. Die Festgenommenen hätten teilweise im Ausland für Extremistengruppen gekämpft, teilweise für diese Kämpfer rekrutiert und Geld gesammelt und der Sicherheit und Stabilität des Landes zu schaden versucht. Der Sprecher sagte nicht, wann die Festnahmen erfolgten.

Den Angaben zufolge erhielten 40 Verdächtige eine Waffenausbildung in Konfliktgebieten, bevor sie in das Königreich zurückkehrten. 54 weitere hätten für Extremistengruppen Geld gesammelt, Kämpfer rekrutiert, Propaganda betrieben und Sprengsätze gebaut. 17 Festgenommene wiederum hätten sich an den Ausschreitung in der Ortschaft Al-Awamijeh im Osten des Landes beteiligt, wo die schiitische Minderheit wiederholt Proteste gegen die Regierung organisiert hatte, sagte der Sprecher.

Saudi-Arabien fördert mit großem finanziellen Aufwand den Bau von Moscheen und Religionsschulen in aller Welt, um seine strenge Interpretation des Islam zu verbreiten. Zahlreiche radikale Islamistengruppen wurden durch diese Lehren beeinflusst und werden von saudiarabischen Privatleuten finanziell unterstützt. Da sich Gruppen wie Al-Kaida aber auch gegen das Königshaus richten, geht die Regierung in Riad seit Jahren gegen sie vor. Zudem hat es sich der internationalen Allianz gegen die IS angeschlossen.