Nahostkonflikt Israel ermittelt wegen umstrittener Bombardierungen

Der Beschuss einer UN-Schule und die Attacke auf einen Strand hatten im jüngsten Gaza-Krieg für weltweite Empörung gesorgt. Nun leitet Israel strafrechtliche Ermittlungen ein.

  • Israel startet strafrechtliche Ermittlungen zu mehreren Vorfällen während des Gaza-Konflikts, darunter der Angriff auf eine UN-Schule sowie auf einen Strand in Gaza-Stadt.
  • Seit zwei Wochen hält im Gazastreifen eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas.
  • Bei dem jüngsten israelischen Militäreinsatz kamen örtlichen Rettungskräften zufolge mehr als 2100 Palästinenser ums Leben, ein Großteil davon Zivilisten.

Israel ermittelt wegen Angriffs auf UN-Schule

Die israelische Armee hat strafrechtliche Ermittlungen zu mehreren Vorfällen während des Gaza-Konflikts eingeleitet. Derzeit würden fünf Vorfälle untersucht, zu Dutzenden weiteren könnten noch Ermittlungen eingeleitet werden, sagte ein ranghoher Armeevertreter im Verteidigungsministerium in Tel Aviv vor ausländischen Journalisten. Demnach wird unter anderem ein Angriff auf eine UN-Schule am 24. Juli im nördlichen Beit Hanun untersucht, bei dem nach Angaben von Ärzten mindestens 15 Menschen getötet wurden.

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Wenn Schulen zum Angriffsziel werden

Wurden unschuldige Kinder getroffen? Oder Hamas-Terroristen und ihre Waffenlager? Israel hat erneut eine Schule der Vereinten Nationen im Gazastreifen bombardiert. Ban Ki Moon nennt das "Wahnsinn". Das Verhältnis zwischen Israel und den UN droht noch schlechter zu werden.   Von Martin Anetzberger und Matthias Kolb

Attacke auf Strand in Gaza-Stadt auch Gegenstand der Ermittlungen

Auch der Angriff auf einen Strand von Gaza-Stadt am 16. Juli, bei dem vier Kinder getötet wurden, ist Gegenstand von Ermittlungen. Beide Vorfälle waren von den Vereinten Nationen und den USA verurteilt worden. Die Armee wolle "alle glaubwürdigen Vorwürfe zu Fehlverhalten" untersuchen, sagte der Vertreter der Streitkräfte, der anonym bleiben wollte.

Waffenruhe im Gazastreifen hält

Die Ankündigung, strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten, kommt nur zwei Wochen, nachdem im Gazastreifen eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas vereinbart wurde. Dies ist ungewöhnlich schnell. Israel steht von mehreren Seiten unter Druck. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas etwa hatte angekündigt, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einzuschalten, um Israel wegen möglicher Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

Im Gazastreifen hält seit zwei Wochen eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas. Bei dem 50-tägigen israelischen Militäreinsatz waren laut örtlichen Rettungskräften mehr als 2100 Palästinenser getötet worden, ein Großteil davon Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen 67 Soldaten und sechs Zivilisten ums Leben.