Nahost-Konflikt:Netanjahu fordert Todesstrafe für Attentäter im Westjordanland

Netanjahu bei Kabinettssitzung

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Kabinettsitzung in dieser Woche.

(Foto: dpa)
  • Zum ersten Mal nach dem Boykott der heiligen Stätten wollen Muslime wieder auf dem Tempelberg beten.
  • Es kommt zu Auseinandersetzungen mit der israelischen Polizei.
  • Währenddessen fordert Israels Ministerpräsident Netanjahu die Todesstrafe für den Attentäter, der Menschen in einer Siedlung im Westjordanland angegriffen hatte.

Nach einem zweiwöchigen Boykott sind Tausende Muslime wieder zum Beten auf den Tempelberg zurückgekehrt. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Mindestens 27 Menschen sollen verletzt worden sein.

Die Menschen seien durch Gummimantelgeschosse israelischer Polizisten getroffen worden und hätten Tränengas eingeatmet, teilte der Rettungsdienst Roter Halbmond mit. Die Polizei soll mit Schlagstöcken gegen die Palästinenser vorgegangen sein. Diese wiederum hatten Plastikflaschen auf die Sicherheitskräfte geworfen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geriet in der Krise intern stark unter Druck. Rechte Regierungsmitglieder waren ihm vor, er habe vor Palästina kapituliert. Während eines Gesprächs mit Angehörigen der Opfer eines jüngsten tödlichen Angriffs in einer israelischen Siedlung im Westjordanland zeigte er sich wenig milde. "Die Todesstrafe für Terroristen - es ist Zeit, sie in schwerwiegenden Fällen umzusetzen", sagte er.Die Strafe sei bereits im Gesetz verankert, sagte Netanjahu weiter. "Es ist eine einstimmige Entscheidung der Richter notwendig, aber sie wollen auch die Position der israelischen Regierung wissen." Seine Einstellung als Ministerpräsident sei es, "dass (der Täter) im Fall eines so verabscheuungswürdigen Mordes hingerichtet werden muss - damit er nicht mehr lächelt". Israel hat die Todesstrafe vor mehr als 60 Jahren abgeschafft. Nur einmal wurde die Strafe mithilfe einer Sonderregelung dennoch vollstreckt: 1962 als der NS-Verbrecher Adolf Eichmann hingerichtet wurde.

Metalldetektoren am Tempelberg haben Nahost-Krise erneut entfacht

Der Tempelberg ist Juden und Muslimen heilig. Trotzdem kommt es rund um die heiligen Stätten immer wieder zu Auseinandersetzungen - auch als Ausdruck der generellen Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern. Jüngst entbrannte der Konflikt über Metalldetektoren, die Israel als Reaktion auf einen Anschlag auf einen israelischen Polizisten installiert hatte. Daraufhin kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den beiden Parteien, auf beiden Seiten gab es Tote.

Die Palästinenser hatten jegliche Zusammenarbeit mit Israel ausgesetzt, auch in Sicherheitsfragen. Israel entfernte die Metalldetektoren am Eingang zu den heiligen Stätten. Daraufhin kündigte die Wakf-Behörde, die das Gelände verwaltet, nach Absprache mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Rückkehr der Muslime auf den Berg an.

Juden verehren den Tempelberg, weil dort in der Antike der Jerusalemer Tempel (Erster und Zweiter Tempel) gestanden hat. Muslimen ist er als Heiligtum mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee von zentraler Bedeutung für ihren Glauben.

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