Nahost:Waffenruhe im Gaza-Konflikt hält

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Gaza: Zerstörtes Gebäude nach einem Angriff Israels

In diesem Gebäude soll der südliche Kommandeur des Islamischen Dschihad, Chalid Mansur, getötet worden sein.

(Foto: Yousef Masoud/AP)

Nach heftigen Kämpfen verkünden Israel und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad einen Waffenstillstand. Nun beschäftigt sich der UN-Sicherheitsrat mit der Krise.

Von Alexandra Föderl-Schmid

In der Nacht zum Montag trat kurz vor Mitternacht eine Waffenruhe in Kraft. Vereinzelt wurden aus dem Gazastreifen noch Raketen Richtung Israel abgefeuert, aber die Vereinbarung erzielte die gewünschte Wirkung. Erstmals seit Freitag fanden in dieser Nacht die Palästinenser im Gazastreifen und die Israelis in weiten Teilen des Landes Ruhe, die Ziele der von militanten Palästinensern abgefeuerten Raketen waren.

Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad war von Ägypten vermittelt worden. Laut israelischen Medienberichten soll die Vereinbarung das Versprechen Ägyptens beinhalten, sich für die Freilassung von mehreren Kämpfern des Islamischen Dschihad einzusetzen, die sich in israelischen Gefängnissen befinden. Israel soll bereit sein, darüber zu diskutieren.

Der Islamische Dschihad soll für Khalil Awawdeh eintreten, der seit Monaten ohne Anklage im Gefängnis sitzt und sich seit Juli im Hungerstreik befindet. Außerdem soll die Organisation auch die Freilassung des Anführers des Islamischen Dschihad im Westjordanland, Bassam al-Saadi, verlangen. Ihn hatte Israel vergangenen Montag verhaftet.

Am Freitagnachmittag tötete die israelische Armee bei einem gezielten Militärschlag in Gaza-Stadt Taisir al-Dschabari, den Militärchef des Islamischen Dschihad und löste die Militäroperation "Morgengrauen" aus. Der hochrangige Kommandeur war dem Militär zufolge verantwortlich für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten. Am Sonntag teilte das israelische Militär mit, der südliche Kommandeur des Islamischen Dschihad im Gazastreifen, Chalid Mansur, und sein Stellvertreter seien bei einem Luftangriff in der Stadt Rafah ums Leben gekommen. Damit schien die Armee das von der Regierung ausgegebene Ziel, die Bedrohung Israels durch den Islamischen Dschihad abzuwenden, erreicht zu haben. Daraufhin zeigte sich Israel zu einem Waffenstillstand bereit, der Islamische Dschihad willigte später ein.

US-Präsident Joe Biden begrüßte die Waffenruhe und dringt auf eine Untersuchung der Berichte über zivile Opfer. "Meine Regierung unterstützt eine rechtzeitige und gründliche Untersuchung all dieser Berichte. Außerdem fordern wir alle Parteien auf, den Waffenstillstand vollständig umzusetzen und sicherzustellen, dass Treibstoff und humanitäre Hilfsgüter in den Gazastreifen fließen, wenn die Kämpfe nachlassen", sagte Biden.

Nach palästinensischen Angaben wurden mindestens 44 Menschen bei den israelischen Angriffen getötet, darunter mehrere Kinder. Mindestens ein Drittel der Toten seien Zivilisten. Mehr als 360 Menschen sollen verletzt worden sein. Laut israelischen Angaben sind mehr als 900 Raketen seit Freitag auf israelische Gebiete abgefeuert worden. Davon sollen rund 160 im Gazastreifen selbst eingeschlagen haben. In Israel gab es mindestens drei Verletzte.

Hamas mischte sich nicht ein

Die Auseinandersetzung verlief nach ähnlichem Muster wie 2019: Damals hatte die israelische Armee den Militärchef der Organisation, Baha Abu al-Ata, getötet. Es folgten drei Tage der gegenseitigen Angriffe, bis schließlich wieder Ruhe einkehrte. Auch diesmal beteiligte sich die seit 2007 im Gazastreifen regierende Hamas nicht direkt an der Auseinandersetzung. Die Hamas profitiert von einer Schwächung des Islamischen Dschihad, der zweitgrößten Gruppe im Gazastreifen, die vom Iran unterstützt wird und noch radikaler als die Hamas auftritt. Die Organisation ist mit den Machthabern im Gazastreifen rivalisiert. EU und USA stufen den Islamischen Dschihad wie auch die Hamas als Terrororganisation ein.

Am Montag soll sich der UN-Sicherheitsrat mit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten beschäftigen - unter anderem hatten Frankreich und Irland einen Antrag gestellt. Der letzte Krieg in der Region ist rund ein Jahr her.

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