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Andrea Nahles:Abtritt einer Aufmüpfigen

Andrea Nahles wuchs in einer katholisch geprägten CDU-Hochburg auf - und wurde viele Jahre später SPD-Chefin. Angst vor Autoritäten war ihr fremd. Bilder einer Karriere.

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Quelle: Daniel Roland/afp

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Sie war die erste Frau an der Spitze der SPD: Im April 2018 übernahm Andrea Nahles den Parteivorsitz. Es war der vorläufige Höhepunkt einer steilen und durchaus auch ungewöhnlichen Politikkarriere: Nahles wuchs in der Eifel auf, einer Hochburg der CDU. Doch die 48-Jährige war schon früh aufmüpfig.

Andrea Nahles

Quelle: dpa

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"Wir wollten Stunk machen", hat sie einmal in einem Interview mit dem Focus gesagt. Deshalb gründete sie 1989 mit Freunden aus der Schulzeit ein Jahr nach ihrem Eintritt in die SPD einen Ortsverein, mitten im katholischen Eifel-Dorf Weiler. Die Eltern, Maurermeister Alfred Nahles und die Finanzangestellte Gertrud Nahles, waren nicht begeistert, traten aber acht Jahre später selbst in die SPD ein. Nahles machte nicht nur in ihrem Heimatort Politik, sondern engagierte sich bei den Jusos und wurde 1993 deren Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz. Damit begann ihr politischer Aufstieg.

SPD-Sonderparteitag

Quelle: dpa

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Zwei Jahre später, im September 1995, setzte sich die 25-jährige Studentin auf einem außerordentlichen Juso-Kongress gegen einen Konkurrenten durch und wurde die neue Bundesvorsitzende der Jusos. Hier sitzt sie neben dem damaligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine, der sie später einmal als "Gottesgeschenk" bezeichnete.

Andrea Nahles

Quelle: Jockel Finck/AP

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Angst vor den Großen der Partei schien die Studentin der Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft nie zu haben. Beispielhaft dafür: ihre Attacke gegen Gerhard Schröder, den sie 1998 als "Abrissbirne sozialdemokratischer Programmatik" bezeichnete.

ANDREA NAHLES

Quelle: Sven Kaestner/AP

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Mit dem Regierungswechsel 1998 schaffte Nahles den Sprung auf die bundespolitische Bühne und zog ins Parlament ein. In Berlin schärfte sie das linke Profil der Fraktion und forderte eine Abkehr der rot-grünen Regierung von ihrer Sparpolitik.

NAHLES

Quelle: Roland Weihrauch/AP

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Ihre Zeit im Parlament endete 2002 vorläufig, als sie trotz eines vermeintlich sicheren Listenplatzes wegen des schlechten Abschneidens der SPD in Rheinland-Pfalz nicht wieder ins Parlament gewählt wurde. Erst 2005 kehrte sie wieder in den Bundestag zurück. Das hielt sie nicht davon ab, die von Bundeskanzler Schröder im Jahr 2003 angestoßene "Agenda 2010" heftig zu kritisieren. Schröders Politik bezeichnete sie als "konzeptlos, perspektivlos, instinktlos". Im Dezember 2003 wurde sie trotz offener Konflikte mit hochrangigen SPD-Politikern in das Parteipräsidium gewählt. Auch mit Franz Müntefering legte sie sich an, was zum Sturz des Parteigenossen mündete, als Nahles vom SPD-Vorstand gegen den ausdrücklichen Willen Münteferings zur Generalsekretärin nominiert wurde.

Andrea Nahles

Quelle: Patrick Seeger/dpa

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Parteichef Matthias Platzeck lobte sie als anerkannte Fachfrau für Gesundheitspolitik, Nahles engagierte sich im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Der "Königsmord" wurde ihr noch lange nachgetragen, zum Beispiel bei einer Fastnachtsveranstaltung Ende Januar 2008.

SPD-Bundesparteitag

Quelle: Michael Gottschalk/ddp

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Ein Problem, das sich durch Nahles Karriere zieht: Sie schafft es nicht, ihre Erfolge in gute Wahlergebnisse münden zu lassen. Auf dem Parteitag in Dresden im November 2009, auf dem sie hier mit dem damals neu gewählten SPD-Chef Sigmar Gabriel zu sehen ist, erhielt Nahles mit 69,6 Prozent das schlechteste Ergebnis der engeren Parteiführung.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

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Viele Projekte, wenig Zustimmung: Dieses Problem zog sich auch durch ihre Zeit als Arbeitsministerin. Nahles setzte mit ihrem Ressort die größten Projekten in der Koalition durch, unter anderem den Mindestlohn und die Rente mit 63. Die Wähler belohnten das häufig nicht.

Nahles tritt vom SPD-Partei- und Fraktionsvorsitz zurück

Quelle: Oliver Berg/dpa

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Im April 2018 übernahm Nahles schließlich den Parteivorsitz, nachdem Martin Schulz bei der Bundestagswahl gescheitert war. Mit gut 66 Prozent erhielt sie ein eher dürftiges Ergebnis. Nach den verheerenden Wahlniederlagen bei der Europawahl und in Bremen scheinen noch mehr Leute in der SPD der Meinung zu sein, dass Nahles nicht die richtige an der Parteispitze ist. Sie habe nicht genug Rückendeckung in der Partei, teilte sie am Sonntag mit. "Diese Klarheit habe ich in dieser Woche bekommen."

© SZ.de/jps/cag
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