Süddeutsche Zeitung

Naher Osten:Heldin mit Israels Hilfe

Die 17-jährige Ahed Tamimi wurde zur Ikone des palästinensischen Widerstands. Israels Armee hat kräftig dazu beigetragen, dass sie das werden konnte.

Kommentar von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Mädchen gegen Soldat: Bilder, wie die damals 16-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi einen israelischen Soldaten anschreit und ihm eine Ohrfeige verpasst, gingen 2017 um die Welt. Es war zwar die Familie, die die Aufnahmen ins Netz gestellt hat.

Aber die Aufmerksamkeit haben erst proisraelische Lobbygruppen darauf gelenkt, die sich darüber empörten, welcher Gewalt israelische Soldaten ausgesetzt seien. Nicht erwähnt wurde, dass die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland seit Jahren unter Israels Besatzung zu leiden hat.

Von der Armee selbst veröffentlichte Bilder, wie der Teenager von Uniformierten gegen vier Uhr früh aus dem Bett gezerrt und verhaftet wurde, führten zu einem Solidarisierungseffekt - nicht nur unter Palästinensern. Dann wurde noch bekannt, dass israelische Behörden infrage stellten, ob das Mädchen mit dem rotblonden Lockenkopf und den blauen Augen tatsächlich zur Familie gehöre, weil es so gar nicht palästinensisch aussehe.

International gab es, zu Recht, Kritik, weil die Minderjährige vor ein Militärgericht gestellt wurde. Acht Monate Haft für Provokationen und eine Ohrfeige sind unverhältnismäßig. Dass Tamimi zu einer Ikone des palästinensischen Widerstandes gegen die israelische Besatzung werden konnte, daran hat Israel kräftig mitgewirkt.

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Quelle:
SZ vom 30.07.2018/pram
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