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Nacktscanner im Probebetrieb:Durchleuchtet bis unter die Haut

Deutschlands erster Körperscanner soll von Herbst an auf dem Hamburger Flughafen stehen. Dagegen regt sich nun Protest: Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert, dass körperliche Behinderungen und Krankheiten den Geräten verborgen bleiben müssen.

Auf dem Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel können Flugpassagiere mit Herbstbeginn von einem sogenannten Körperscanner durchleuchtet und kontrolliert werden. Das Bundesinnenministerium kündigte an, dass das erste Gerät dieser Art in Deutschland von Ende September an in Hamburg für einen Probelauf eingesetzt werde. Erklärtes Ziel ist es, besser und schneller als bislang zu überprüfen, ob Fluggäste gefährliche Stoffe am Körper tragen, insbesondere Sprengstoffe.

Köperscanner auf dem Amsterdamer Flughafen

Körperscanner auf dem Amsterdamer Flughafen: In seiner Hosentasche hat der Passagier ein Handy versteckt, das auf dem Kontrollschirm als gelber Fleck zu sehen ist. Seit drei Jahren arbeiten die Niederländer am Flughafen Schiphol mit den Scannern, von denen im Moment 15 im Einsatz sind.

(Foto: dapd)

Die Passagiere können in Hamburg wählen, ob sie durch den Scanner gehen oder die bislang übliche Kontrollschranke durchschreiten und danach eventuell noch von Sicherheitskräften persönlich abgetastet werden. Über den Einsatz dieser Geräte hatte es lange Diskussionen gegeben, zuletzt am Jahreswechsel. Damals war allerdings noch von Apparaten die Rede, die realistische Nacktbilder der Menschen liefern. Inzwischen wurden Geräte entwickelt, die lediglich schematische Darstellungen der Passagiere zeichnen.

Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU) versicherte, der Schutz der Intimsphäre bleibe gewährleistet. Es gebe keine wirklichen Körperbilder; die Menschen würden ähnlich wie Strichmännchen dargestellt, sagte der Minister der Bild am Sonntag. Auch sollen die Aufnahmen unmittelbar nach der Kontrolle gelöscht werden. Gefahren für die Gesundheit gingen von dem Apparat, der den Körper in Sekundenschnelle abtastet, nicht aus. Das sei bereits umfangreich getestet worden, sagte ein Ministeriumssprecher.

Noch am Jahresanfang hatten Politiker fast aller Bundestagsparteien starke Bedenken gegen diese Scanner geäußert. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, hatte davor gewarnt, die Persönlichkeitsrechte der Flugpassagiere zu verletzen. Schaar kündigte nun an, seine Behörde würde auf Einladung des Bundesinnenministeriums das Hamburger Gerät vor Beginn des Probelaufs prüfen. "Es muss sichergestellt sein, dass es keine gesundheitlichen Belastungen gibt, dass alle Persönlichkeitsrechte gewahrt werden und dass der Scanner tatsächlich effektiv ist", sagte Schaar der Süddeutschen Zeitung. Er forderte, dass körperliche Behinderungen und Krankheiten von Flugpassagieren, zum Beispiel Inkontinenz-Leiden, den Geräten verborgen bleiben müssten. Auch dürften Passagiere, die sich in Hamburg gegen eine Scanner-Kontrolle entschieden, nicht intensiver überprüft werden als bislang üblich.

Das Bundesinnenministerium will im Fall eines erfolgreichen Probelaufes die Geräte auch an anderen Flughäfen einsetzen. Es müsse aber sicher sein, dass die Kontrollen damit erleichtert und nicht verzögert würden, sagte ein Sprecher. Noch gebe es "kleinere Kinderkrankheiten". So schlügen die Geräte bislang noch bei nichtigen Anlässen an, etwa bei Falten in Hosenbeinen. Am Flughafen Amsterdam Schiphol werden die Scanner seit drei Jahren getestet. Großbritannien und Italien wollen ebenfalls Geräte aufstellen. In den USA und in Russland sind sie bereits im Einsatz.

© SZ vom 09.08.2010
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