Nacktfoto-Skandal:Topolanek bereut Urlaub bei Berlusconi

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Tschechiens Ex-Premier Topolanek nennt den Aufenthalt in Berlusconis feudaler Villa einen "großen Fehler" - das Nacktfoto sei aber manipuliert.

Klaus Brill, Prag

Es ist ihm peinlich, natürlich. Erst der "verdorbene Urlaub" auf der Insel, und jetzt auch noch die Fotos, kurz vor einer Wahl.

Peinlich berührt: Mirek Topolanek vor wenigen Tagen in Prag (Foto: Foto: AP)

Tschechiens früherer Ministerpräsident Mirek Topolanek hat seinen Aufenthalt in der Villa des italienischen Regierungschefs und Milliardärs Silvio Berlusconi vor einem Jahr als "großen Fehler" bezeichnet.

"Ich werde nie wieder ein Angebot irgend eines Politikers akzeptieren, meine Ferien ganz privat unter der Bewachung der Carabinieri zu verbringen", sagte der konservative Politiker jetzt vor Journalisten.

Tatsächlich hat der Urlaub, den er im Mai vorigen Jahres mit Begleitern in der feudalen Privatvilla Berlusconis auf Sardinien genoss, ihm nichts als Ärger eingetragen.

Schon damals waren Reporter tschechischer Boulevardzeitungen ihm in den Süden gefolgt und hatten ihm aufgelauert. "Sie haben uns wirklich gehindert, die Villa zu verlassen," sagte der Politiker, der seit Januar 2007 Regierungschef war und im März dieses Jahres durch ein Misstrauensvotum im Prager Parlament gestürzt wurde.

Und jetzt tauchten Fotos auf, die damals aus einiger Entfernung ein italienischer Paparrazzo geschossen hatte und die die spanische Zeitung El Pais kurz vor der Europawahl publizierte.

Topolanek witterte Kampagne der Linken

Auf einem der Fotos ist ein nackter Mann mit halb erigiertem Penis zu sehen, der sich einer ebenfalls unbekleideten Frau auf einem Liegestuhl zuwendet. In beiden Fällen sind die Gesichter unkenntlich gemacht.

Topolanek hatte die mögliche Existenz einer solchen Aufnahme zunächst bestritten, dann aber eingeräumt, tatsächlich sei er auf einem der betreffenden Bilder nackt zu sehen, allerdings handele es sich um eine Fotomontage.

Vorige Woche hatte der Vorsitzende der konservativ-liberalen Bürgerdemokraten (ODS) auch noch hinzugefügt, der ganze Skandal sei möglicherweise Teil einer Kampagne der Linken vor der Europawahl. Geschadet hat die Sache aber offenkundig nicht.

Bei der Abstimmung feierte die ODS mit einem Stimmenanteil von 31,5 Prozent ihre Wiederauferstehung nach einer Reihe von Niederlagen.

© SZ vom 10. Juni 2009/odg - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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