Nachruf Integer bis zur Sturheit

Der Journalist Helmut Lölhöffel, 74, ist gestorben. Zuletzt erwarb er sich Verdienste als Koordinator des Projekts Stolpersteine in Charlottenburg-Wilmersdorf.

(Foto: Frank Ossenbrink/dpa)

Der langjährige SZ-Journalist Helmut Lölhöffel ist im Alter von 74 Jahren in Berlin gestorben. In den Siebzigerjahren bildete er die Speerspitze der wütenden Jungen, notfalls griff er dabei auch zu ungewöhnlichen Methoden.

Von Heribert Prantl

Seinen Adelstitel hatte er abgelegt; er war Bürger durch und durch, ohne von, aber von feiner Art; warmherzig und politisch unverrückbar links. Wenn ihm die Sekretärin Christine Emming im SZ-Büro Bonn einen Kaffee brachte, war Helmut Lölhöffel das nicht recht: Er wollte nicht bedient werden. Er war 68er, blieb 68er; ein engagierter IG-Medien-Mann.

In den Siebzigerjahren bildete er, zusammen mit Hartmut Palmer, die journalistische Speerspitze der wütenden Jungen. Und trotzdem war er, geboren 1944 in Königsberg, ein echter Preuße - einer Großfamilie von Gesandten, Hofräten und polnischen Freiheitskämpfern entstammend, der "Lölhöffel von Löwensprung", polnisch "Lelewel". Er war diszipliniert und integer bis zur Sturheit, ein kluger Kopf, ein herausragender Journalist.

Notfalls griff er zu ungewöhnlichen Methoden. Als ihm gesteckt worden war, dass der 1981 aus westdeutscher Haft entlassene und ausgetauschte Kanzler-Spion Guillaume in Eggersdorf bei Berlin an einem See wohnte, stellte Lölhöffel den Antrag, er wolle eine Reportage über die "Bewirtschaftung stehender Gewässer" in der DDR schreiben. Das wurde genehmigt. Er ging ins Wasser, machte sich schwimmend auf den Weg zu Guillaume.

Lölhöffel war von 1974 bis 1984 für die SZ in Bonn und Ostberlin, anschließend für die Frankfurter Rundschau in Bonn und Berlin; dann wurde er Berliner Senatssprecher. Seine letzten Lebensjahre überschattete eine heimtückische Krankheit, der er am Sonntag in Berlin erlag.