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Nachruf:Die Welt war nie genug

Er rauchte mit neun seine erste Zigarette, schmiss kurz danach die Schule. Selbst als Weltstar hat Sean Connery sein Working-Class-Image gepflegt. Zum Tod eines Unsterblichen.

Von David Steinitz

Sean Connery, Diamonds Are Forever (1971) United Artists File Reference 33962-181THA Hollywood CA USA PUBLICATIONxINxGE

Sieben Mal spielte Sean Connery James Bond, hier 1971 in "Diamantenfieber". Er spielte ihn so gut, dass die Nachfolger es schwer hatten mit der Rolle.

(Foto: imago images/Cinema Publishers Collection)

Als Teenager besuchten Sean Connery und James Bond laut Legende kurzfristig dieselbe Schule, was man durchaus als Kunststück bezeichnen kann, weil Letzterer trotz allen Hypes ja doch nur eine fiktive Figur ist.

Aber der Bond-Erfinder Ian Fleming liebte es, seinen erfundenen Helden in den realen Institutionen des britischen Empire zu verankern. So erfährt man in seinen 007-Romanen zum Beispiel, dass der etwa 15-jährige Bond - aufgrund eines unerhörten Zwischenfalls mit einem Zimmermädchen - von der Schule flog und der Züchtigung wegen aufs strenge Fettes College im schottischen Edinburgh geschickt wurde. Eine legendäre Bildungsstätte, um dem britischen Nachwuchs Disziplin beizubringen.

Wie es der biografische Zufall wollte, ging auch der junge Sean Connery auf diese Schule - er kam allerdings nicht durch den Haupteingang, sondern durch die Hintertür. Seine Eltern hätten weder einen Sinn in dieser elitären Ausbildung gesehen, noch hätten sie sich die horrenden Gebühren leisten können. Connery war nur der Milchjunge, der in den kargen Vierzigerjahren auf seiner morgendlichen Tour für die tägliche Lieferung anrückte.

Dass sich die Wege des fiktiven Upperclass-Playboys James Bond und des waschechten Arbeitersohnes Sean Connery noch einmal kreuzen würden, war deshalb eher unwahrscheinlich.

Connery kam am 25. August 1930 im Wohnblock Fountainbridge im Südwesten Edinburghs zur Welt. Ein Viertel, das man in seinem damaligen Zustand laut Augenzeugen am besten als den Teil der Stadt beschreibt, in dem man nicht geboren werden wollte. Von all den trostlosen Fabriken, die während der Industrialisierung entstanden waren, sollen dort die trostlosesten gestanden haben.

Heute käme bei so einer Kindheit vermutlich das Jugendamt vorbei

Laut der Connery-Biografie von John Parker schlief der kleine Sean als Baby in der untersten Schublade der Kommode im Elternschlafzimmer, später auf dem Klappsofa in der Wohnküche. Die Toilette war auf dem Gang, und abends schaltete der Vater, der als Fabrikarbeiter und Lastwagenfahrer schuftete, das Licht aus, um Strom zu sparen. Freitagabends soffen sich die Männer des Viertels die Demütigungen dieses rußgeschwängerten Arbeiterdaseins für ein paar Stunden aus dem Kopf, und dann ging es wieder von vorne los. Sean und sein jüngerer Bruder Neil spielten Fußball, angelten im Kanal oder sahen sich, wenn das Geld reichte, am Samstagmorgen für "Tuppence" (zwei Pennys) einen Western im lokalen Kino an. Dass er selbst mal ein Filmstar werden würde, sei Sean Connery, wie er später sagte, während dieser B-Picture-Vormittage nie in den Sinn gekommen.

Weil der Vater meist weg war, wurde der Großvater zur prägenden Figur für ihn. Ein freundlicher Mann, der gerne Whisky trank und den Kindern beibrachte, wie man ein rohes Ei direkt aus der Schale schlürft. "Die Auster des kleinen Mannes" nannte er das, und Connerys Bruder Neil berichtete später, dass Sean noch als erwachsener, wohlhabender Weltstar mit Genuss rohe Eier zuzelte.

Heute käme bei diesem Lebensstil vermutlich sogar in England das Jugendamt vorbei, damals war es der typische Working-Class-Werdegang: Mit neun rauchte Connery seine erste Zigarette, nicht viel später schmiss er die Schule. Was folgte, war ein Marathon aus Gelegenheitsjobs, wie er für viele Teenager-Biografien jener Jahre typisch war. Neben seinen Milchlieferungen ans Fettes College verdiente sich der jugendliche Connery etwas Geld unter anderem als Zeitungsausträger, Straßenarbeiter, Kohlenausträger, Zementmischer und Bademeister.

Letzterer Job soll ihm am besten gefallen haben, wegen der vielen hübschen Mädchen, die wiederum auch großen Gefallen an ihm fanden. Connery hatte sich durchs Bodybuilding ordentlich Muskeln draufgepackt. 1950 wurde er schottischer Bodybuildingmeister, er erreichte den dritten Platz bei der Wahl zum Mr. Universum. Vergleicht man die Bilder von damals mit den hochgezüchteten Hollywoodoberkörpern von heute, sieht er darauf fast hühnerbrüstig aus. Aber die Stars der alten Generation hatten eben noch Körper, die auch auf ein Leben jenseits des Fitnessstudios schließen ließen. Seine Brust ist auf den Fotos von damals übrigens ganz glatt rasiert, die legendäre Bondbehaarung ließ er erst später wieder wachsen.

Durch diese Shows jedenfalls kam Connery zum Filmgeschäft. Er ergatterte ein paar Jobs, zum Beispiel 1957 im Thriller "Die blinde Spinne". Aber er ließ sich mehr vom Zufall als vom Ehrgeiz treiben. Als ein paar Jahre später das Casting zu einem Agentenfilm namens "James Bond jagt Dr. No" stattfand, ging Connery zwar hin - aber mit wenig Begeisterung, wie die Filmemacher später pikiert anmerkten.

Sean Connery

Bond ist ein britischer Geheimagent, aber Connery legte immer Wert darauf, Schotte zu sein. 2000 schlug die Queen ihn zum Ritter. Neben ihm: seine Frau Micheline Roquebrune.

(Foto: David Cheskin / dpa)

Die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman träumten bereits vor den Dreharbeiten des ersten Teils davon, die Romanreihe zu einer Kinoserie auszubauen, wie sie die Filmindustrie noch nicht gesehen hatte. Deshalb sollten sich alle Casting-Kandidaten bereits vorab für den Fall des Erfolgs schriftlich für mehrere Teile verpflichten. Connery, der eher von Woche zu Woche lebte, erschien es wenig verlockend, sich schon beim Vorsprechen auf mehrere Jahre festlegen zu müssen.

Die Skepsis beruhte allerdings auf Gegenseitigkeit, auch die Produzenten waren wenig angetan. Der 007-Erfinder Ian Fleming soll sogar entsetzt gewesen sein. "Wir brauchen einen Commander Bond und keinen übergroßen Stuntman", soll er angesichts des Muskelprotzes Sean Connery gesagt haben. Er fand ihn schlicht "unkultiviert". Der ehemalige Spion Fleming, der in James Bond ein klitzekleines bisschen auch sich selbst gesehen haben soll - zumindest aber die erotisch wie geheimdienstlich etwas erfolgreichere Variante seiner selbst -, träumte mehr von einem neuen Cary Grant zur Visualisierung seines Agenten.

Zum Wohle der Filmgeschichte griffen die Frauen ein. Flemings Lebensgefährtin erklärte ihm, dass der Kerl genau der Richtige sei, und so sah das auch Dana, die Frau des Produzenten Albert R. Broccoli.

Bei den gigantomanischen Budgets und Gagen der Hollywoodgegenwart wirken die Summen, die damals über den Tisch gingen, fast schon lächerlich. Der erste Bond-Film kostete rund eine Million Dollar. Zum Vergleich: Der letzte Bond mit Daniel Craig, "Keine Zeit zu sterben", kostete 250 Millionen Dollar. Trotzdem war "Dr. No" für damalige Verhältnisse ein Blockbuster und damit ein Hochrisikoprojekt, das, wenn es zum Beispiel an der Wahl des falschen Bonds gescheitert wäre, die Produzenten hätte ruinieren können. Aber als "Dr. No" ins Kino kam, zeigte sich sofort, dass die Wahl perfekt gewesen war, die Zuschauer kamen in Scharen.

Die erste Szene, in der Connery/Bond im Casino sitzt, lässig eine Zigarette raucht und mit seiner Mitspielerin flirtet, mag nach heutigen Actionstandards etwas altbacken wirken. Aber für das Jahr 1962 war sie ein genialer Schachzug. Der Reiz des frühen James Bond bestand in der Versöhnung der in Großbritannien einander so unversöhnlich gegenüberstehenden Upperclass und Arbeiterklasse. Connery spielte den Mann als einen Playboy, der zwar im internationalen Diplomaten-Jetset angekommen war, mit einer Weinkarte umzugehen wusste und an Orte reiste und mit Frauen schlief, von denen der Normalzuschauer nicht einmal zu träumen wagte. Aber er gab 007 mit seinem rauen Charme immer auch einen leichten Straßenkötertouch, der den Zuschauern signalisierte, dass er von ganz unten kam und dass folglich auch sie in dieses Paradies eintreten könnten.

Bonds Flirtverhalten grenzte aus jetziger Sicht immer wieder mal an Nötigung

Mit dieser proletarischen Note löste Sean Connery auch elegant das Problem, dass James Bond mit seinem Interesse für gute Kleidung und gutes Essen nach dem Moralverständnis der Nachkriegszeit eigentlich kein Weiberheld, sondern ein weibischer Held war.

Aber da auf jeden Maßanzug aus der Savile Row und auf jeden zielsicher ausgewählten Château Mouton Rothschild (Jahrgang 1947, bitte!) ein übel zugerichteter Schurke oder eine verführte Gegenspielerin kam, hielt Connery perfekt die Balance zwischen Stallgeruch und Weltgewandtheit. Er machte Bond in sieben Filmen zur perfekten Werbefigur des Nachkriegskapitalismus. Eine Kunstfigur von Mann, die man sich als idealen Leser des Playboy vorstellen kann, weil sie sich gleichermaßen für Brüste und die korrekte Wahl der Manschettenknöpfe interessiert.

Dass dazu auf der Leinwand immer wieder auch ein Flirtverhalten gehörte, das man aus heutiger Sicht im gnädigsten Fall als Nötigung einstufen würde, ist den Filmemachern immer wieder vorgeworfen worden. Wie Connerys Bond zum Beispiel 1964 in "Goldfinger" in einer Scheune eine Frau ins Heu schubst und sich grinsend auf sie draufwirft, um mit ihr zu schlafen, während sie sich wehrt, kann man beim besten Willen nicht mehr nur als resoluten Balztanz bezeichnen. Dass die Frau, gespielt von Honor Blackman, auch noch den Rollennamen Pussy Galore verpasst bekam, passt gut ins Geschlechterverständnis jener Jahre.

Auch die Filmposter der frühen Bond-Filme stellten in ihrer Bildsprache keinen Rekord in Subtilität auf. Am eindrucksvollsten ist vielleicht das Plakat zu "Feuerball", auf dem Connery im Taucheranzug kniet und seine große, nun ja, Harpune präsentiert, während ihn vier Bikinimädchen lasziv anhimmeln. Wobei das Poster von "Man lebt nur zweimal" auch interessant ist. Da sitzt er grinsend in einem Becken und wird von acht halbnackten Frauen eingerahmt, die ihn gründlich waschen und anscheinend auch noch zu anderen Tätigkeiten bereit sind.

DIAMONDS ARE FOREVER, Sean Connery, (poster art), 1971 Courtesy Everett Collection PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyr

Eine Kunstfigur von Mann, ein Plakat aus einer anderen Zeit. 1971 kam der Film dazu in die Kinos.

(Foto: imago images/Everett Collection)

Connery war nicht gerade der Typ, der sich privat über die Misogynie der bösen Filmindustrie beschwert oder in dieser Hinsicht besänftigende Töne angeschlagen hätte, im Gegenteil.

Der Playboy widmete ihm, natürlich, viel Platz, zum Beispiel in einem Interview in der Novemberausgabe 1965. Das Gespräch fand vor allem statt, um mit ihm über seine Autos (Jaguar!) zu sprechen und zu erfahren, dass er zum Lunch Bier bevorzuge, weil Wein mittags nur müde mache. Der Interviewer warf aber auch ein, dass James Bond Frauen gegenüber handgreiflich werde und fragte, wie Connery dazu stehe. Die Antwort: "Ich glaube nicht, dass es grundsätzlich falsch ist, eine Frau zu schlagen, obwohl ich nicht empfehlen würde, es so zu tun, wie man einen Mann schlagen würde."

Weil der durchschnittliche Playboy-Leser des Jahres 1965 anscheinend ähnlicher Meinung war, passierte circa zwanzig Jahre lang gar nichts, was man sich in der Tretmühle des Twitter-Wahnsinns mit ihren digitalen Soforthinrichtungen heute gar nicht mehr vorstellen kann. Erst in den Achtzigern wurde Connery sein Zitat mehrfach um die Ohren gehauen, bis er sich schließlich entschuldigte.

Vielleicht war es eine kleine Rache der Filmgötter, dass Connery sich selber mal in einer Art rotem Bikini-Anzug und in kniehohen Lederstiefen auf der Leinwand räkeln musste. 1974 war das, in dem sehr obskuren Science-Fiction-Film "Zardoz", in dem sein Kostüm so aussieht, als habe der Regisseur ihn aus Versehen mit der Hauptdarstellerin verwechselt. Ein Werk, das man am Ende eines jeden B-Movie-Marathons nur empfehlen kann, wenn das Bier kalt genug ist.

Aber Connery hatte parallel zu Bond bereits in den Sechzigerjahren auch ganz bewusst Rollen angenommen, die nichts mit dem Image des misogynen Frauenhelden zu tun hatten oder es sogar karikierten. Als Erster kam Alfred Hitchcock, der alte Komiker, auf die Idee, den weltberühmten Eroberer Sean Connery auf Sexentzug zu setzen. 1964 war das, als Hitchcock ihn im Thriller "Marnie" an der kühlen Tippi Hedren scheitern ließ, die ihm auch nach der Hochzeit ihren Körper verweigert, und Connery spielt den gehörnten Ehemann nicht weniger leidenschaftlich als den James Bond.

Trotz solcher Auftritte führte die Überrolle Bond dazu, dass Connery, als er sie schließlich abgab, in der Filmindustrie als Frührentner geführt wurde.

Die erfolgreichsten Filme, die er nach seinem letzten Bond "Sag niemals nie" in den Achtzigerjahren drehte - "Der Name der Rose", "Highlander", "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" - positionierten ihn meist nicht mehr als Helden, sondern in der Rolle des altersweisen Schelms, Mentors und Meisters, der einer neuen Generation von Kriegern und Liebhabern den Weg weist.

Es scheint ihn nicht gestört zu haben. Connery hatte schon 1965 behauptet, dass man in der Bond-Reihe nun wohl alles aufgefahren habe, was man den Zuschauern an Stunts und schönen Frauen habe bieten können, und die Reihe nun wohl bald auf ihr Ende zusteuere. Als sich diese Prophezeiung nicht bewahrheitete, war es irgendwann vielleicht sogar eine Erleichterung, nicht mehr ständig das Sinnbild ewiger Potenz spielen zu müssen.

Die Krönung der ersten Phase nach Bond war sein Auftritt in Brian De Palmas "The Untouchables/Die Unbestechlichen", 1987, in dem er als schelmischer Polizist ganz ohne Coolness-Zwang gleich doppelt cool wirkte und prompt einen Oscar gewann, seiner neuen Stellung gemäß als bester Nebendarsteller.

Irgendwann reichte es ihm, den Mundwinkel minimal zu heben, um Millionengagen zu kassieren

Das Blockbusterkino der Achtzigerjahre ging relativ veränderungsarm in das Blockbusterkino der Neunziger- und Nullerjahre über, und Connery spielte weiterhin stoisch den altersweisen Meister. Mit einem feinen Lächeln, das er irgendwann so weit perfektioniert hatte, dass er die Mundwinkel nur um Millimeter heben musste, um damit erfolgreich die Leinwand zu füllen und Millionengagen zu kassieren.

Aus künstlerischer Sicht funktionierte das manchmal fast schon unverschämt perfekt, wie etwa im Actionmeisterstück "The Rock" aus dem Jahr 1996. Und manchmal ging es ganz schön daneben wie im Actionmurks "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen". Das war 2003, sein letzter großer Kinoauftritt. Aber Sean Connery, der oft genug gewonnen hatte, verlor auch bei so einem Superflop nicht seinen Humor. Er kommentierte das Ergebnis nur trocken: "Man hätte diesem Regisseur niemals ein 180-Millionen-Dollar-Budget geben dürfen."

Dabei hätte die Krönung seines Spätwerks zur Jahrtausendwende noch ein Auftritt als Meisterzauberer Gandalf in "Der Herr der Ringe"-Trilogie sein können. Die Produktion hatte bereits angefragt, aber Connery winkte verständnislos ab: "Ich hab's nie kapiert. Ich habe den Roman gelesen. Ich habe das Drehbuch gelesen. Ich habe später auch die fertigen Filme gesehen. Bobbits? Hobbits? Ich verstehe es immer noch nicht."

Connery

Sean Connery, der so lange die Hauptrolle gespielt hatte, bekam den Oscar für seine Nebenrolle in „Die Unbestechlichen“.

(Foto: Lennox Mclendon / AP)

Abgesehen davon war ihm wohl klar, dass er die Popkultur-Ikone Bond auch nicht loswerden würde, wenn er eine weitere Popkultur-Ikone wie Gandalf spielen würde. Er lebte ja lange genug, um zu erleben, wie schwer sich seine Bond-Nachfolger damit taten, in seine übergroßen Fußstapfen zu treten - eine mission impossible.

Der glücklose Australier George Lazenby, der es als Erster probierte und auch nur einen einzigen Auftritt als Bond hatte, berichtete gern, er habe die Rolle nur bekommen, weil er vorher bei Connerys Schneider einen Connery-Anzug erworben und dem Friseur gesagt habe, er möge ihm eine Connery-Frisur schneiden. Während der Dreharbeiten zu "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", sagte Lazenby später in einem Dokumentarfilm über seine glücklose Schauspielkarriere, sei er nie das Gefühl losgeworden, dass die Produzenten insgeheim stinksauer waren, dass er nicht Sean Connery war.

Dieses Problem lösten die Filmemacher, indem sie 007 im Anschluss einer gnadenlosen Rogermooreisierung unterzogen. Was wiederum die Figur des knallharten Spions mit der Lizenz zum Töten für fast anderthalb Jahrzehnte zum Herrenwitz degradierte. Es sollten drei weitere Darsteller notwendig werden, um sie wieder halbwegs in Richtung Connery zu norden. Und ja, der wusste, was er da angerichtet hatte, als eines der berühmtesten Gesichter der Popkultur des verrauchten, aufregenden und für immer entschwundenen 20. Jahrhunderts. Was danach kam, konnte er getrost mit seinem einzigartig schelmischen Lächeln quittieren. "Bond klebt an mir", sagte Connery. "Er wird mich begleiten, bis ich in der Kiste liege." Aber das ist natürlich Quatsch. Er wird ihn auch noch darüber hinaus begleiten.

Am vergangenen Wochenende ist Sean Connery im Alter von 90 Jahren in seinem Zuhause in Nassau auf den Bahamas gestorben.

© SZ vom 02.11.2020
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