Nachruf:Der Deutsche

Günter Grass war Pathetiker, Protestierer und als Erzähler ein Solitär, der so nur in diesem Land wirken konnte.

Von Thomas Steinfeld

Die letzten literarischen Werke, die Günter Grass veröffentlichte, von seinem Werkstattbericht "Sechs Jahrzehnte" (2014) abgesehen, waren ein paar Dutzend Gedichte, unter denen die politischen große Aufmerksamkeit auf sich zogen: Eines dieser Gedichte trug den Titel "Was gesagt werden muss" (2012) und handelte von der Gefahr eines israelischen Angriffs auf Iran, ein zweites forderte die Solidarität mit einem Griechenland, das weniger das Griechenland von heute war, als dass es erkennbar durch eine deutsche Bildungstradition geprägt war. "Eintagsfliegen" hatte der Schriftsteller diese Sammlung kleiner Werke genannt, die neben der Arbeit an einer illustrierten Neuausgabe der Erzählung "Unkenrufe" entstanden waren. Es sind poetische Gelegenheitswerke, Arbeiten, von denen Günter Grass sagte, er habe sie weniger aus freiem Willen geschrieben, als dass er zu ihnen "provoziert" worden sei. Insbesondere sollte diese Unfreiwilligkeit für die beiden poetischen Versuche gelten, mit denen er ins Weltgeschehen hatte eingreifen wollen.

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