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Nachfolger für Wowereit:Schwer zu sagen, wer sich durchsetzt

Der gebürtige Hildesheimer Stöß ist erst zum Jura-Studium nach Berlin gekommen. Er arbeitete seit 2007 als Richter am Berliner Verwaltungsgericht, Politik macht er nebenbei. Er war Bezirksstadtrat in Kreuzberg-Friedrichshain und ist seit 2012 SPD-Landeschef - sein bisher höchstes Amt.

Im Abgeordnetenhaus war er bisher nicht vertreten. Auch ein Grund, seine Befähigung in Zweifel zu ziehen. Mit Wowereit hat nur gemeinsam, dass beide homosexuell sind. Stöß, schrieb einmal die Zeit, sei "ein bundespolitischer Nobody", an dem "einiges ziemlich groß geraten ist, sein Körper, seine Brille, sein Selbstbewusstsein".

Stöß legte sich gerne mit Wowereit an. Er sorgte etwa unerschrocken dafür, dass Wowereits Kulturstaatsekretär André Schmitz wegen dessen Steueraffäre jegliche Unterstützung der Landes-SPD entzogen wurde. Er hat damit nicht nur einen ins Straucheln geratenen Politiker zu Fall gebracht. Sondern auch einen persönlichen Freund Wowereits.

Abschied von Wowereit

Vom Party-Wowi zu Pannen-Wowi

Stöß hat einen entscheidenden Vorteil: Als Landeschef der Partei bestimmt er quasi das Nachfolge-Verfahren. Der Mitgliederentscheid ist seine Idee. Und sein großer Vorteil gegenüber Saleh. Während Saleh vor allem darauf setzte, Wowereit gut aussehen zu lassen - mit der nicht erfüllten Hoffnung, im Gegenzug vom Chef als Nachfolger präsentiert zu werden - hat Stöß frei von anderen politischen Verpflichtungen schon zwei Jahre Wahlkampftour hinter sich. Er hält Kontakt zu Unternehmen, in gesellschaftliche Gruppen und präsentiert sich dort als geduldiger Zuhörer.

Saleh dagegen wirkt immer etwas aggressiv, selbst wenn er es nett meint. Anders als andere Politiker mit Migrationshintergrund kann er seine Herkunft sprachlich kaum verbergen. Während etwa der Grünen-Chef Cem Özdemir auf Knopfdruck losschwäbeln kann, berlinert Salehs auch bei Reden im Senat so, wie es auf den Straßen Neuköllns klingt. Das dürfte zumindest gewöhnungsbedürftig sein für manche SPD-Ohren aus Zehlendorf und Charlottenburg.

Wer von beiden sich durchsetzt, lässt sich schwer sagen. Stöß hat große Teile der Partei hinter sich. Aber ob er auch an der Basis so gut ankommt, wie er von sich glaubt, ist nicht ausgemacht. Saleh ist eher der Mann für die Hinterzimmer als für die große Bühne. Leichte Vorteile dürfte Stöß haben. Auch ohne Wowereits Unterstützung.