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Nach Zusammenstößen auf Baustelle:Stuttgart-21-Gegner entschuldigen sich für Gewalt

Ab jetzt wieder "gewaltlos und friedlich": Nachdem mehrere Menschen beim Sturm auf eine Baustelle verletzt wurden, bitten die Gegner von Stuttgart 21 öffentlich um Verzeihung. Die Deutsche Bahn attackiert Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann wegen einer Äußerung im SZ-Interview.

Die Aggression ist zurück im Streit um Stuttgart 21. Einige Gegner des umstrittenen Bahnprojekts wollen sie wieder herausnehmen. Sie entschuldigten sich für die Gewalt am Rande einer Demonstration am Montagabend. Nach Polizeiangaben waren dabei mehrere Beamte verletzt worden.

Demonstranten blockieren Bauarbeiten zu 'Stuttgart 21'

Am Montag gerieten Gegner von Stuttgart 21 und Polizisten aneinander. Mehrere Menschen wurden verletzt. Jetzt haben sich die Aktivisten entschuldigt.

(Foto: dapd)

Bei den Menschen, die zu Schaden gekommen seien, "entschuldigen wir uns", sagte der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Berthold Frieß, im Namen des Aktionsbündnisses gegen den Bahnhofs-Neubau. Das Bündnis wolle gewaltfrei und friedlich protestieren. Dieser Konsens sei beim Sturm auf die Baustelle verletzt worden.

Die Projektgegner präsentierten auch schriftliche Zeugenaussagen, wonach ein Mann - offenbar ein Zivilpolizist - bei der Demonstration Faustschläge ins Gesicht erhalten hat. Darstellungen, dass der Mann schwer verletzt worden sei, hätten Zeugen jedoch in Frage gestellt. Im Internet kursiert auch ein Video, das ein Gerangel zwischen einem bewaffneten Mann und Demonstranten zeigt. Der Bewaffnete wird von Aktivisten als Agent provocateur bezeichnet. Ob es sich um den laut Polizei schwerverletzten Zivilpolizisten handelt, ist unklar.

Zuvor hatte Heiner Geißler, Schlichter im Streit um Stuttgart 21, die Aggressivität einiger Demonstranten kritisiert: "Die Leute, die Gewalt anwenden, diskreditieren diejenigen, die weiterhin gegen den Bahnhof sind", sagte er am Freitag in der ARD.

Andere Sorgen hat derzeit der Bauherr von Stuttgart 21: Die Deutsche Bahn wirft dem baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann vor, geltendes Recht in Frage zu stellen. Hermann hatte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt: "Was hat denn die Bahn für ein Baurecht?" Die Bahn reagierte mit einer Pressemitteilung.

Darin schreibt das Unternehmen, Hermanns Äußerungen nährten Zweifel daran, ob das Land Baden-Württemberg seiner vertraglich vereinbarten Projektförderungspflicht nachkomme. Tatsache sei, dass das Unternehmen keine Bauarbeiten ohne geltendes Baurecht begonnen habe. Besonders das von Hermann angeführte Beispiel der Bauarbeiten für das Grundwassermanagement zeige, dass der Minister wohl eher seine persönliche Haltung äußere und nicht die Rechtslage vertrete.

© dapd/dpa/Reuters/jab/segi
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