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Nach Wahl in Baden-Württemberg:Bahn stoppt Bau an Stuttgart 21

Als Konsequenz aus dem Wahlergebnis in Baden-Württemberg legt die Deutsche Bahn das umstrittene Bauvorhaben Stuttgart 21 auf Eis. Bis zur Wahl des neuen grünen Ministerpräsidenten Kretschmann im Mai sollen die Arbeiten ruhen. Die Zukunft des Projektes ist ungewiss.

Die Deutsche Bahn (DB) hat einen Bau- und Vergabestopp für das umstrittene Projekt Stuttgart 21 erlassen. "Bis zur Konstituierung der neuen Landesregierung wird die DB beim Bahnprojekt Stuttgart 21 keine neuen Fakten schaffen - weder in baulicher Hinsicht noch bezüglich der Vergabe von Aufträgen", sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer in Berlin.

Vorläufiger Vergabestopp bei Stuttgart 21

Baustopp für ein umstrittenes Projekt: Für die Grünen eine "Geste gegenüber dem Wählerwillen".

(Foto: dpa)

SPD und Grüne, die bei der Landtagswahl am Sonntag eine Mehrheit errungen hatten, bewerteten die Maßnahme positiv. Unabhängig vom Bau- und Vergabestopp gelte der mit den Projektpartnern geschlossene Vertrag aber uneingeschränkt. "Schließlich ist das Land Baden-Württemberg und nicht die jeweilige Landesregierung unser Vertragspartner", erklärte Kefer. Es werde zudem weiterhin mit Hochdruck an dem im Schlichterspruch vereinbarten Stresstest gearbeitet. Die Bahn kündigte an, voraussichtlich im Mai, wenn sich die neue Landesregierung konstituiert habe, "unmittelbar mit den dann Verantwortlichen offiziell das Gespräch" zu suchen.

Der Grünen-Verkehrsexperte Werner Wölfle sagte, dass die Botschaft des Wählers offenbar bei der Bahn angekommen sei. Er bezeichnete es als "nett" und "eine Geste gegenüber dem Wählerwillen", dass die Bahn nun bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten keine weiteren Fakten bei Stuttgart 21 schaffen werde. Allerdings forderte er, den Bau- und Vergabestopp zu verlängern, bis der Stresstest durchgeführt sei und Klarheit über mögliche Nachbesserungen und Mehrkosten bei dem Bahnprojekt bestehe. Die neue Landesregierung und die Bahn müssten sich deshalb bald zu Gesprächen treffen.

Die baden-württembergische SPD begrüßte die Entscheidung der Bahn. "Es ist sinnvoll, dass die Bahn die weitere Entwicklung abwarten will", sagte SPD-Landeschef und Landtagsfraktionsvize Nils Schmid. Ein Sprecher der Partei sagte, die Entscheidung werde dem Wunsch der neuen Landesregierung gerecht und "klingt kooperativ". SPD und Grüne hatten nach ihrem Wahlsieg angekündigt, sich für einen Baustopp einzusetzen, bis der in der Schlichtung vereinbarte Stresstest vorliege. Sobald alle Fakten zu Stuttgart 21 auf dem Tisch liegen, wollen beide Parteien eine Volksabstimmung über das Projekt durchführen lassen. Die Grünen lehnen das Projekt ab, die SPD hingegen möchte Stuttgart 21 bauen lassen.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Hannes Rockenbauch, zeigte sich erfreut über die Entscheidung. Es sei "erstmal ein Erfolg", doch die Forderung nach einem "grundsätzlichen Baustopp" bleibe bestehen. Der Stuttgarter Stadtrat sagte, es sei nach dem "klaren Auftrag der Bürger für einen Wechsel" im Land das "einzig Richtige, was die Bahn machen konnte". Nun müsse noch einmal "grundsätzlich über das Projekt nachgedacht werden".

Das Verkehrsministerium, das seit der Wahl von Tanja Gönner (CDU) geschäftsführend geleitet wird, zeigte sich wenig überrascht über die Ankündigung der Bahn. Die Bahn werde nur das machen, was sie seit Beginn der Schlichtung auch tue, sagte ein Sprecher. Es handele sich nach Auffassung des Ministeriums um einen Vergabestopp und um keinen Baustopp. Die Bahn realisiere bei dem Projekt derzeit nur das, was vertraglich und baulich gemacht werden müsse, damit man zeitlich nicht zu sehr in Verzug komme, da dies hohe Kosten verursache. Die Linie sei jedoch gewesen, bis zur Landtagswahl keine neuen Fakten zu schaffen.

Bei dem Projekt soll der Stuttgarter Hauptbahnhof für mehr als vier Milliarden Euro von einem Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden. Gegen Stuttgart 21 gibt es seit Monaten heftige Proteste; zuletzt waren am Montag in Stuttgart mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen.

© AP/dpa/liv

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