Nach Verurteilung durch UN:Nordkorea kündigt Atom-Moratorium auf

Der UN-Sicherheitsrat hat den gescheiterten Raketenstart scharf verurteilt - die Reaktion aus Nordkorea folgt prompt: Pjöngjang fühlt sich nicht mehr an das mit den USA vereinbarte Atom-Moratorium gebunden - und droht mit "Vergeltungsmaßnahmen".

Nicht einmal zwei Monate lang hat das Moratorium gehalten: Nach der Kritik an seinem jüngsten Raketenstart hat Nordkorea die Vereinbarung über den Stopp seines Atomprogramms praktisch aufgehoben. Das Land fühle sich nicht mehr an ein entsprechendes Abkommen mit den USA gebunden, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Außerdem drohte das Ministerium mit nicht näher beschriebenen "Vergeltungsmaßnahmen" und kritisierte die Verurteilung des Raketenstarts durch den Weltsicherheitsrat.

File photo of a soldier standing guard in front of the Unha-3 (Milky Way 3) rocket sitting on a launch pad at the West Sea Satellite Launch Site in the northwest of Pyongyang

Nordkoreanischer Soldat bewacht eine Unha-3-Rakete: Pjöngjang scheint die Eskalation nicht mehr zu scheuen.

(Foto: REUTERS)

Es war die erste formale Reaktion des kommunistischen Landes auf die Präsidentenerklärung des UN-Sicherheitasrats zum Raketenstart, der alle Mitglieder, inklusive China und Russland, zugestimmt hatten. Die Mehrstufenrakete, die Nordkorea am vergangenen Freitag gestartet hatte, war kurz nach dem Abheben in der Luft explodiert. Die USA und andere Länder sahen darin den Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Nordkorea hatte von einem Satellitenstart gesprochen.

"Wir weisen entschieden und vollkommen das unvernünftige Verhalten des UN-Sicherheitsrats zurück, das legitime Recht der Volksrepublik (Nordkorea) auf einen Satellitenstart zu verletzen", wurde das Außenministerium in Pjöngjang von den staatlichen Medien zitiert.

Als Antwort auf den Raketenstart hatten die USA angekündigt, ihre geplante Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea zu streichen. Die Hilfe hatten die USA Ende Februar im Gegenzug zu der Zusage Nordkoreas versprochen, unter anderem seine Urananreicherung im Atomzentrum Yongbyon sowie Atomwaffentests und Tests von Langstreckenraketen auszusetzen. In hoch angereicherter Form kann Uran zum Atombombenbau verwendet werden.

Der neue Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifikraum, Samuel Locklear, sagte vor Journalisten in Seoul, die USA und ihre Verbündeten wollten sich im Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm auch künftig "alle Optionen" offenhalten, einschließlich militärischer. Es sei jedoch nicht angemessen, sich über künftige militärische Einsätze näher auszulassen. Der Admiral habe auf die Frage geantwortet, ob die USA auch Militärschläge gegen Raketenstützpunkte und Atomwaffentestgelände in Nordkorea in Betracht ziehen würden, um Provokationen des Landes zu verhindern, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

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