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Nach US-Wahl:Trump überlegt, Teile von "Obamacare" beizubehalten

  • In einem Interview mit dem Wall Street Journal hat Trump angekündigt, "Obamacare" womöglich doch nicht abschaffen zu wollen.
  • Genau das war eines seiner wichtigsten Wahlkampfversprechen gewesen.

Von Matthias Kolb, Washington

Donald Trump legt mit seiner Arbeit als designierter Präsident los und sorgt gleich mit seinem ersten Interview nach dem überraschenden Wahlsieg für Verwirrung. Im Wall Street Journal (WSJ) verkündet er, die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama möglicherweise nur nachbessern zu wollen. Im Wahlkampf hatte der 70-Jährige stets die reine republikanische Lehre verkündet: die Abschaffung von "Obamacare".

Trump begründet seinen überraschenden Positionswechsel mit seinem Gespräch mit Präsident Obama im Weißen Haus. Er habe dem scheidenden Präsidenten versprochen, dass er sich dessen Vorschläge zur Zukunft der Gesundheitsreform genauer anschauen werde, erklärte er den WSJ-Reportern: "Und aus Respekt werde ich dies tun". Bei seinen Veranstaltungen hatte er Obamacare stets als "Desaster" bezeichnet.

Konkret geht es um zwei Regelungen, die Trump nun womöglich beibehalten will: Das Verbot in Richtung der Krankenkassen, einem Patienten eine Versicherung wegen seines Gesundheitszustands zu verweigern. Und die Möglichkeit, dass Kinder bis zum Alter von 26 Jahren über ihre Eltern versichert bleiben. Was genau der Republikaner vorhat, bleibt jedoch offen. An Aussagen wie diese wird sich die Welt gewöhnen müssen: "Entweder wird Obamacare geändert oder abgeschafft und ersetzt."

Trump: "Ich möchte ein Land, in dem sich alle lieben"

Obamacare war zuletzt in die Kritik geraten, weil ein hoher Anstieg der Beiträge (im Schnitt 22 Prozent) für einen Teil der darüber Versicherten vorhergesagt wird. Die Reform, die Obama 2010 gegen den Widerstand der Republikaner durchgesetzt hatte, sichert etwa 20 Millionen Menschen ab. Mit dieser überraschenden Ankündigung liegt Trump fast auf der Linie seiner bisherigen Rivalin Hillary Clinton, die Nachbesserungen ebenfalls als notwendig bezeichnet hatte.

Dem WSJ sagt Trump, dass die im Wahlkampf angekündigte Einsetzung eines Sonderermittlers, der Clintons Umgang mit vertraulichen E-Mails überprüfen soll, keine Priorität habe. Er wolle nun einen optimistischeren Ton anschlagen, so der Republikaner: "Ich möchte ein Land, in dem sich alle lieben." Zudem betont Trump, durch Investitionen in Infrastrukturprojekte neue Jobs schaffen und die Grenze zu Mexiko gegen "Drogen und illegale Einwanderer" schützen zu wollen.

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