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Umstrittener Afghanistan-Kommandeur:Obama wirft McChrystal raus

Nach seiner Lästerattacke gegen US-Präsident Obama muss der Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, seinen Posten räumen. Ein Nachfolger steht bereits fest.

US-Präsident Barack Obama hat seinen Top-Kommandeur in Afghanistan, General Stanley McChrystal, nach einem Vier-Augen-Gespräch entlassen. Nachfolger soll der frühere US-Oberbefehlshaber im Irak, General David Petraeus, werden. Petraeus gilt als der populärste aktive General in den USA.

Medien: Top-Kommandeur McChrystal geht

Die Archivaufnahme zeigt US-Präsident Obama (li.) mit Stanley McChrystal. Obama hat den General nach dessen bissigen Äußerungen im Magazin "Rolling Stone" entlassen.

(Foto: dpa)

Obama hatte McChrystal für Mittwochmorgen ins Weiße Haus zitiert, nachdem am Tag zuvor ein Artikel des Magazins Rolling Stone bekanntgeworden war, in dem sich McChrystal und Angehörige seines engsten Stabs abfällig über den Präsidenten und die Führung im Weißen Haus geäußert hatten. In dem 22-minütigen Gespräch im Oval Office war offenbar klar geworden, dass das Vertrauensverhältnis zu dem Truppenkommandeur zerrüttet war.

Bereits am Dienstag hatte Obama sein Missfallen über McChrystal nicht verborgen. Der General habe "schlechtes Urteilsvermögen" bewiesen. Vor einer Entscheidung wollte er aber mit dem General persönlich sprechen. McChrystal hatte im vergangenen Jahr bereits zweimal den Unwillen des Weißen Hauses erregt, als er sich öffentlich für die zu dem Zeitpunkt von Obama noch nicht genehmigte Truppenverstärkung in Afghanistan stark machte.

Ebenfalls am Dienstag hatte Afghanistans Präsident Hamid Karsai in einer Videokonferenz mit Obama für den Verbleib McChrystals auf seinem Posten geworben. Karsai hat offenbar zum General ein Vertrauensverhältnis aufgebaut - ganz im Gegensatz zum amerikanischen Botschafter in Kabul, dem Ex-General Karl Eikenberry, und zum US-Sondergesandten Richard Holbrooke.

In dem Rolling Stone-Artikel war Obama als uninteressiert und ängstlich beschrieben worden. Vor allem aber hatte McChrystal den langen Beratungsprozess über die Strategie in Afghanistan im Herbst kritisiert. Diese Zeit sei "schmerzhaft" gewesen. Obama habe ihm eine "unverkäufliche" Mission überlassen - eine Anspielung auf die mit der Truppenverstärkung verbundene Ankündigung, die Soldaten vom kommenden Jahr an wieder abziehen zu wollen.

Abfällig hatte sich McChrystal über Vizepräsident Joe Biden geäußert. Vom US-Botschafter Eikenberry fühle er sich "betrogen". Ein enger Vertrauter des Generals hatte Obamas Sicherheitsberater James Jones einen "Clown" genannt. Weder McChrystal noch Mitglieder seines Stabs bestritten die Richtigkeit der Zitate.

In Washingtoner Polit-Kreisen war eine Entlassung McChrystals allgemein als unvermeidlich angesehen worden. Immer wieder wurde der Vergleich zum beliebten Kriegshelden und kommandierenden General im Korea-Krieg, Douglas McArthur, gezogen, den der damalige Präsident Harry Truman ohne viel Federlesens gefeuert hatte, nachdem er die zivile Führung kritisiert hatte.

McChrystals Nachfolger Petreaus hatte die US-Mission im Irak erfolgreich gewendet und Terror und Gewalt in dem Land deutlich reduziert. Nach seinem Vorbild war die Strategie geformt, mit der General McChrystal die Taliban in Afghanistan in die Defensive drängen wollte. Mit der Berufung von Petraeus will das Weiße Haus offenbar signalisieren, dass die Strategie unverändert fortgesetzt werden soll. Petraeus ist nicht nur in der Truppe hochangesehen. Auch Afghanistans Präsident Karsai schätzt ihn offenbar sehr.