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Nach Putschversuch:Türkische Behörden erlassen Haftbefehl gegen 380 Unternehmer

Turkish soldiers walk outside the Silivri Prison and Courthouse complex during the first trial related to Turkey's failed coup, in Istanbul

Türkische Soldaten sichern das Silivri-Gefängnis in Istanbul, in dem der erste Prozess im Zusammenhang mit dem vereitelten Putschversuch vom Juli 2016 stattfindet.

(Foto: Osman Orsal/REUTERS)
  • Türkische Behörden haben Haftbefehl gegen 380 Unternehmer erlassen, denen Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen werden.
  • Medienberichten zufolge haben die Behörden außerdem Haftbefehl gegen 105 Ehefrauen hochrangiger Militärs erlassen.

Die Ermittler in der Türkei gehen weiterhin mit großer Härte gegen mutmaßliche Terroristen und Unterstützer des Putschversuchs vom 15. Juli vor. Am Donnerstag haben die türkischen Behörden Haftbefehle gegen etwa 380 Unternehmer erlassen, denen Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen werden. Die Türkei vermutet den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen hinter dem gescheiterten Putschversuch im Juli.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, zeitgleich mit den Haftbefehlen seien Anordnungen zur Durchsuchung der Privat- und Geschäftsräume der Beschuldigten erteilt worden.

Außerdem sind erstmals seit der Niederschlagung des Putsches zwei hochrangige Militärs zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in der osttürkischen Stadt Erzurum habe die beiden Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt, meldete Anadolu. Die Angeklagten hätten die Vorwürfe bestritten. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, die Militärs seien schuldig befunden worden, "durch Gewaltanwendung die von der Verfassung vorgesehene Ordnung" aufheben zu wollen.

Ehefrauen hochrangiger Militärs sollen die Putschisten unterstützt haben

Türkischen Medienberichten zufolge haben die Behörden in Ankara außerdem Haftbefehl gegen 105 Frauen hochrangiger Militärs erlassen. Den Frauen werde vorgeworfen, Kontakt zu führenden Mitgliedern der Putschisten gehabt und sie finanziell unterstützt zu haben.

Im Kampf der türkischen Behörden gegen die Gülen-Bewegung seien auch der Chefjustiziar und ein früherer Vorstandschef des Medienkonzerns Dogan festgenommen worden, erklärte das Unternehmen.

Dogan besitzt die Tageszeitung "Hürriyet" und den Fernsehsender CNN Turk, außerdem hält die Holding unter anderem Beteiligungen an Finanz-, Energie- und Tourismusunternehmen.

Nach dem gescheiterten Putsch Mitte Juli sind in der Türkei rund 120.000 Personen aus dem Staatsdienst entfernt worden. Tausende Lehrer, Militärs, Journalisten und Anwälte wurden verhaftet.