Nach Österreich-Wahl Milliardär Stronach köpft seine Partei

Frank Stronach wollte in Wien mitregieren, kam aber bei der Wahl nur auf sechs Prozent. Nun tauscht der Industrielle Parteifunktionäre durch Angestellte seines Unternehmens aus - und fordert Wahlkampf-Millionen zurück. Ist das noch normal? "In Zukunft" werde man eine demokratische Bewegung sein, erklärt Stronachs Vertraute.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Frank Stronach ist fort, abgereist nach Kanada. Zurückgelassen hat er einen politischen Scherbenhaufen in Österreich, verschuldete Landesorganisationen und düpierte Parteifreunde. Und er will sein Geld zurück, einen Teil zumindest.

Der Milliardär und Gründer des Teams Stronach (TS), das bei der Nationalratswahl am 29. September nur knapp sechs Prozent geholt hatte, war im Privatjet zurück in seine Wahlheimat geflogen, wo er einst als junger Mann den Autozulieferkonzern Magna begründet hatte. Stronach, mittlerweile 81, hatte jedoch vor seinem Abflug angekündigt, er sei zur ersten Sitzung des Parlaments wieder zurück.

Immerhin hat er es aber noch zeitlich passgenau geschafft, die Landesverbände seines Teams umzubauen, ja zu köpfen, und seine Parlamentsfraktion umzukrempeln. Zuletzt ging es am Wochenende seiner Landesorganisation in Vorarlberg an den Kragen; dort wurde die Landesgeschäftsstelle geschlossen, das Personal gekündigt. Landesparteichef Christoph Hagen weiß noch nicht genau, ob und wie es mit ihm weitergeht.

Eine Partei mit sechs Mitgliedern

Wie sich die Landesorganisationen aufstellen, wer sie führt, das wurde letztendlich immer in der Nähe von Wien entschieden, in der Österreich-Zentrale von Stronach - und damit vom Patriarchen selbst. Das erlauben die Statuten: Demnach wird der Vorstand durch Beschluss der Mitgliederversammlung bestellt.

Ihm obliegen "die Leitung der Partei, die Aufstellung der Kandidatenliste für allgemeine Vertretungskörper (z. B. Nationalratswahl) und die Aufsicht über die gesamte Parteitätigkeit". Die Bundespartei hat nach Auskunft ihrer Vizechefin, der Stronach-Vertrauten Kathrin Nachbaur, nur sechs Mitglieder; im Vorstand sitzen sie selbst, Stronach und eine von ihm angestellte Finanzreferentin.

Der Kärntner Landesverband beriet am Montagnachmittag über eine Abspaltung von der Mutterpartei, nachdem der dortige Vorsitzende, Landesrat Gerhard Köfer, vergangene Woche demontiert worden war. Auch in Salzburg und Niederösterreich hat Stronach die Landeschefs abgesetzt, darunter den relativ prominenten ehemaligen ÖVP-Politiker Hans Mayr, der für das Team Stronach in der Landesregierung sitzt.

Degradierter Fraktionschef

Im Nationalrat wurde Fraktionschef Robert Lugar degradiert. Er war vor Jahresfrist vom BZÖ zum Team Stronach gewechselt und hatte sich dem Vernehmen nach sogar Hoffnung auf die Parteiführung gemacht, sollte Stronach sich zurückziehen; jetzt ist er nur noch einfacher Abgeordneter. Fraktionschefin wird Stronachs Vertraute, Kathrin Nachbaur.

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Auf die ratlose Frage des Nachrichtenmoderators Armin Wolf vor wenigen Tagen im ORF, ob denn solche Positionen im Team Stronach nicht gewählt würden, hatte Nachbaur geantwortet, man sei eine junge Bewegung und werde "in Zukunft" auch eine demokratische Bewegung sein.

Offenbar übt Stronach, der einst mit der neuen Partei "Weltgeschichte" schreiben wollte, nach dem enttäuschenden Abschneiden seines Teams auch massiven Druck auf die Partei aus, etwa zehn Millionen Euro an Darlehen zurückzuzahlen, die er im Wahlkampf noch freudig gewährt hatte.

Stronach hatte etwa 23 Millionen Euro aus eigener Tasche investiert, nun verlangt er von den Parteiorganisationen die Kredite in jährlichen Raten zurück; beglichen werden müssen die Schulden wohl aus der Parteienförderung.

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Allerdings verkündete der Milliardär, es sei gut vorstellbar, dass er das Geld wiederum der Partei als Spende überlasse oder es sozialen Einrichtungen spende.