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Nach Obama:Israels Präsident Peres richtet Botschaft an Iran

Es wirkt abgesprochen: Wie US-Präsident Obama hat sich Schimon Peres am iranischen Neujahrsfest an Teheran gewandt. Allerdings war der Israeli deutlich kritischer.

Der israelische Präsident Schimon Peres hat in einer Botschaft an die Iraner zum persischen Neujahrsfest scharfe Kritik an der Führung in Teheran geäußert. Diese würde alles tun, um dem Staat Israel und seinen Menschen zu schaden, heißt es in der am Freitag verbreiteten Audio-Botschaft.

Er frage sich, warum ein Land, das eine so reiche Kultur hat, ein paar wenigen Fanatikern gestatte, "den schlimmsten Weg unter den Augen Gottes und der Menschheit" einzuschlagen. Er habe die Hoffnung, dass die Iraner eines Tages ihre Führung stürzen würden.

Israels Präsident spricht Farsi

Peres sprach Teile seiner Audio-Botschaft, die von Radio Israel ausgestrahlt wurde, in der Landessprache Farsi. Er forderte die Führung in Teheran außerdem auf, Geld besser für die Armutsbekämpfung als für das Atomprogramm auszugeben. "Kinder können kein angereichertes Uran zum Frühstück essen. Sie brauchen ein richtiges Frühstück", sagte der Präsident.

Israel betrachtet den Iran und dessen Atomprogramm als die größte strategische Bedrohung seiner Sicherheit. Israel wirft der Führung in Teheran vor, sie finanziere und unterstütze sowohl die libanesischen Hisbollah-Milizen als auch radikale und militante Palästinensergruppen.

Obama reicht Teheran die Hand

Vor Peres hatte bereits US-Präsident Barack Obama per Video eine Grußbotschaft an den Iran gerichtet und darin Teheran angeboten, die seit drei Jahrzehnten eisigen Beziehungen wieder zu verbessern.

Die Botschaft wird von Analysten in Washington als Zeichen interpretiert, dass sich die USA und Israel nicht auseinanderdividieren lassen. Zudem wurde darüber spekuliert, weshalb Peres die Botschaft an Teheran richtete und nicht der designierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der als Hardliner gilt.

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