Nach Niederlage in South Carolina Romneys langer, hässlicher Marsch

Mitt Romney ist seit der Niederlage in South Carolina geschwächt, doch er gibt sich nicht geschlagen. Der US-Republikaner pumpt weitere Millionen in seine Wahlkampfmaschine und verschärft die Angriffe gegen seinen Rivalen - Amerikas Konservative erwarten einen Marathon.

Von Christian Wernicke, Washington

Selten hat man Mitt Romney, den 64-jährigen Multimillionär, so bleich gesehen wie in dieser Nacht. Dunkle Ringe unter seinen Augen offenbarten, wie sehr ihn der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur ausgezehrt hat. Doch nun scheint das Rennen erst so richtig begonnen zu haben. "Wir haben einen weiten Weg vor uns", rief Romney, der Verlierer von South Carolina, seinen enttäuschten Anhängern deshalb zu. Die nächste Primary steht in zehn Tagen an. Er muss weiter, der Kandidat macht sich selbst Beine: "Auf nach Florida!"

Romney, Günstling des republikanischen Establishments, ist angeschlagen. Nur, geschlagen ist er nicht - er bleibt der Favorit im Rennen um die Spitzenkandidatur. In Florida, dem ersten großen US-Bundesstaat im Vorwahl-Kalender, liegt er laut Umfragen klar vorn in der Gunst der republikanischen Anhänger. Romney, ein detailbesessener Perfektionist, hat in Florida eine schlagkräftige Wahlkampf-Maschine mit vielen Helfern und bester Logistik aufgebaut.

Und er hat Geld, viel Geld: Mindestens vier Millionen Dollar hat seine Kampagne bereits für TV-Spots ausgegeben. Und das war nur das Vorspiel. Bis zum Wahlgang am Dienstag nächster Woche dürften Romneys eigene Kampagne sowie ein von reichen Freunden finanziertes "politisches Aktionskomitee" (Super-PAC) die vergleichsweise teuren Fernsehkanäle in Orlando, Tampa und Miami mit aggressiven Anti-Gingrich-Videos fluten.

Das Rennen zieht sich in die Länge

Als eine Lektion von South Carolina gilt, dass der Ex-Gouverneur von Massachusetts bisher zu vorsichtig kämpft. Deshalb reagiert Romney nun. Noch in der Wahlnacht attackierte er seinen Widersacher. Populist Gingrich habe mit seiner Kritik an Romneys Gebaren als Manager eines Investmentfonds "zu den Waffen der Linken gegriffen" und geradezu unamerikanisch "das freie Unternehmertum frontal attackiert", wetterte Romney. "Das ist ein Angriff auf jedermann, der von einer besseren Zukunft träumt!" Solche Sätze verfangen unter Republikanern, der Saal jubelte.