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Nach Mord an Oppositionsführer:Regimegegner stürmen syrische Vertretungen in Deutschland

Aus Protest gegen die Ermordung des syrischen Oppositionsführers Meschaal Timo sind Demonstranten in das syrische Konsulat in Hamburg und die syrische Botschaft in Berlin eingedrungen. Zuvor gab es eine ähnliche Aktion in der Schweiz. Die Beisetzung Timos in Syrien wurde zu einem Protestzug - und wieder eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer.

Nach der Ermordung des syrisch-kurdischen Oppositionspolitikers Meschaal Timo sind Regimegegner in Hamburg, Berlin und Genf in die diplomatischen Vertretungen des Landes eingedrungen.

Regimegegner dringen in syrische Botschaft ein

Syrische Regimegegner haben an der Außenfassade der syrischen Botschaft in Berlin den Spruch "Free Syria" aufgesprüht.

(Foto: dpa)

[] In Berlin gelangten etwa 30 Demonstranten in die syrische Botschaft. Wie die Polizei mitteilte, brachen die Demonstranten zunächst ein Tor zu deren Gelände auf und bewarfen die Fassade mit Farbbeuteln. Außerdem sprühten sie "Free Syria" an die Außenwand. Anschließend seien sie in die Vertretung eingedrungen. Nach Aufforderung durch den Botschafter hätten Polizeibeamte die Demonstranten aus dem Gebäude herausgeführt und ihre Personalien festgestellt.

[] In Hamburg stürmten in der Nacht zum Sonntag 30 Demonstranten das Gebäude des syrischen Honorarkonsulats. Sie zerschlugen die Eingangstür und Fenster und verwüsteten die unteren Räume des Gebäudes. Dann hängten sie Transparente auf und stimmten Parolen an. Die Polizei nahm vier Demonstranten fest, ihnen droht jetzt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

[] In Genf hatten nach Berichten der Schweizer Nachrichtenagentur SDA etwa 40 Demonstranten zunächst vor der syrischen Vertretung bei den UN protestiert. Fünf von ihnen seien dann über ein Baugerüst in das Gebäude eingedrungen. Sie hätten syrische Flaggen geschwenkt und Dokumente aus dem Fenster des mehrstöckigen Gebäudes geworfen. Die Polizei nahm die fünf Eindringlinge schließlich fest.

Schüsse auf den Trauerzug

Der Oppositionspolitiker Timo war am Freitag im Nordosten Syriens von Unbekannten erschossen worden. Art und Weise der Ermordung deuteten darauf hin, dass die Attentäter dem Geheimdienst oder einem der regimetreuen Schlägertrupps angehörten, meinten Beobachter.

Bei seiner Beisetzung am Samstag seiner Heimatstadt Kamischli eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf den Trauerzug. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Protestbewegung getötet. Zehntausende hatten sich den Angaben zufolge dem Trauerzug angeschlossen.

Die Ermordung des Führungsmitglieds der kurdischen Zukunftspartei löste auch international Bestürzung aus. Timo war ein scharfer Kritiker des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Der Kurden-Politiker war auch einer der Organisatoren der Massenproteste in Kamischli gegen das Assad-Regime. Zuvor hatte er zwei Jahre aus politischen Gründen im Gefängnis gesessen. Kamischli ist eines der Zentren der kurdischen Volksgruppe in Syrien. Die etwa zwei Millionen Kurden im Land werden vom Regime systematisch diskriminiert.

Reaktionen auf den Mord

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich bestürzt über die gezielte Ermordung Timos. "Er hatte den Mut, ein neues Syrien zu fordern, das auf Freiheit, Demokratie, Toleranz und Menschenwürde gründet, und war zu einem Vorbild für viele Syrer geworden", erklärte Westerwelle.

Deutschland werde sich gemeinsam mit seinen Partnern weiterhin mit aller Kraft für die Menschen in Syrien einsetzen. Auch die EU verurteilte die Ermordung Timos. Die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton teilte in Brüssel mit, sein Tod folge anderen gezielten Ermordungen in den vergangenen Tagen. "Diese erschreckenden Verbrechen verstärken die Sorge der EU über die Lage in Syrien." Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

An diesem Montag befasst sich der EU-Außenministerrat mit der Lage in Syrien. In Syrien verlangen Hunderttausende Bürger seit mehr als einem halben Jahr auf großen Straßendemonstrationen politische Reformen und den Rücktritt Assads. Die gewaltlosen Kundgebungen werden immer wieder von den Sicherheitskräften mit äußerster Brutalität angegriffen.