Nach Kandidatenkür bei Rot und Grün:Göring-Eckardt muss Rollen tauschen

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Göring-Eckardt schien bereits nach dem Ende der Schröder-Regierung ihre Zeit in der ersten Reihe der Partei hinter sich zu haben. Noch schneller, als sie unter Rot-Grün zur Fraktionsvorsitzenden aufgestiegen war, wurde sie danach beiseite gedrängt. Ihr Kirchenamt und die Vizepräsidentschaft im Bundestag machten sie eher überparteilich und noch vor wenigen Monaten sogar zu einer möglichen Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Auf sie wartet jetzt ein Rollentausch, der dem Wechsel eines Badminton-Spielers zum Tennis gleicht.

Göring-Eckardt ist eine gute Wahl für die Grünen, weil sie Mut bewiesen hat, als sie in eine scheinbar aussichtslose Abstimmung ging; weil sie jünger ist als ihre Konkurrentinnen, weil sie weniger verbissen wirkt als manche Unterlegene und sympathischer als ihr künftiger Co-Kandidat Jürgen Trittin. Erklärungsbedürftig bleibt ihre Distanzierung von einer rot-grünen Reformpolitik, die sie selbst mit vorangetrieben hat. Und besonders spannend wird zu beobachten sein, wie sich Göring-Eckardt, aber auch Trittin positionieren, wenn die rot-grüne Machtoption so vage bleibt, wie sie es derzeit ist.

Das Personal für ein rot-grünes Projekt ist an diesem Wochenende jedenfalls nicht entstanden. Im Gegenteil: Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, versteckte in seinem Glückwunsch an beide Spitzenkandidaten der Grünen den verräterischen Hinweis, dass er sich auf die Auseinandersetzungen zwischen Steinbrück, Trittin und Merkel im Bundestag freue. Göring-Eckardt soll im Parlament offenbar schweigen. Sie gilt den Sozialdemokraten als zu soft, zu frömmelnd und vor allem als verkappte Sympathisantin einer schwarz-grünen Koalition.

Und da kommt doch noch mal Angela Merkel ins Spiel. Die Kanzlerin wird wieder einen Wahlkampf in der Mitte führen, ganz nah an der SPD. Das hat für sie zwei Vorteile: Die FDP bekommt genügend Platz, um sich über die Fünf-Prozent-Hürde zu retten. Wenn es aber doch nicht reicht, werden die SPD, aber mehr noch die Grünen große Schwierigkeiten haben, außer dem Betreuungsgeld noch weitere Themen zu finden, die sie von der Union unüberwindbar trennen. Und so könnte es in einem Jahr noch eine weitere Überraschung geben: Wolfgang Kubicki wird doch nicht Minister.

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