bedeckt München 28°

Nach Gift-Attentat:Julia Skripal will keinen Kontakt zur russischen Botschaft

Julia Skripal

Die Hilfe der russischen Botschaft lehnt die 33-jährige Julia Skripal ab.

(Foto: dpa)
  • Vergangenen Montag konnte Julia Skripal das Krankenhaus verlassen. Die Hilfe der russischen Botschaft lehnt sie nun ab. Auch zu ihrer Cousine will die 33-Jährige keinen Kontakt.
  • Russland zweifelt dagegen an der Echtheit der über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme. Der Text sei so verfasst, dass er die Positionen der britischen Behörden untermauere.

Vor fast sechs Wochen wurde Julia Skripal gemeinsam mit ihrem Vater, dem russischen Ex-Doppelspion Sergej Skripal, vergiftet. Ihr geht es mittlerweile besser. Die ihr von der russischen Botschaft angebotene Hilfe lehnt sie jedoch ab. "Im Moment möchte ich von deren Leistungen nicht Gebrauch machen. Aber wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich sie es wissen", teilte die 33-jährige Russin in einer über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme mit.

Die russische Botschaft zweifelt die Echtheit dieser Erklärung allerdings an. Der Text sei so verfasst, dass er die Positionen der britischen Behörden untermauere und zugleich jede Kontaktaufnahme von Julia Skripal mit der Außenwelt verhindere, hieß es der Agentur Tass zufolge.

Julia Skripal war erst am vergangenen Montag aus dem Krankenhaus im südenglischen Salisbury entlassen worden. Ihren Angaben zufolge befindet sie sich an einem sicheren Ort und hat auch Kontakt zu ihren Freunden. Kontakt zu ihrer Cousine lehnt die 33-Jährige dagegen ebenfalls ab. "Ihre Meinungen und Behauptungen sind nicht meine und die meines Vaters." Die Verwandte der Skripals spielt in dem Fall eine undurchsichtige Rolle. Sie hatte zuvor behauptet, die beiden könnten auch an einer Fischvergiftung leiden. London befürchtet, dass die Cousine vom Kreml instrumentalisiert worden sein könnte.

Der Fall hatte eine Krise zwischen den beiden Ländern ausgelöst

Julia Skripal und ihr Vater wurden am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury gefunden. Die britische Regierung beschuldigt Russland, die Skripals mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben. Der Kreml weist diese Vorwürfe vehement zurück.

Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern aus. Auch weitere Länder solidarisierten sich mit Großbritannien und wiesen Dutzende russische Diplomaten aus. Moskau reagierte daraufhin ebenfalls mit Ausweisungen.

Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

Politik Großbritannien London und Moskau streiten im UN-Sicherheitsrat

Fall Skripal

London und Moskau streiten im UN-Sicherheitsrat

Großbritannien spiele mit dem Feuer und werde "das noch bereuen", poltert der russische Vertreter bei einem Treffen des Gremiums zu dem Giftanschlag. Die britische UN-Botschafterin prangert dafür ein "unverantwortliches" Verhalten Russlands an.