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Nach Eröffnung des Gezi-Parks:Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor

Wiedereröffnung, wieder Demonstrationen: der Gezi-Park in Istanbul. 

(Foto: AFP)

Gerade erst wurde der Gezi-Park in Istanbul wiedereröffnet. Doch als sich Demonstranten versammeln, greift die Polizei erneut mit Wasserwerfern und Tränengas ein - und sperrt den Park und weite Teile des Taksim-Platzes ab. Nach Angaben der Protestbewegung wurden mehr als 80 Demonstranten festgenommen.

Mit neuen Bäumen, Blumen und frischem Rasen sollte der Gezi-Park in Istanbul wieder zur Normalität zurückfinden. Statt zu demonstrieren, sollten die Bürger dort endlich wieder spazieren gehen. Wenige Stunden nach der Eröffnung des Parks allerdings riegelte die Polizei das Areal und weite Teile des Taksim-Platzes erneut ab, um die Menschenmenge von mehreren Tausend Protestierenden zu zerstreuen.

Am Rande des Platzes hatten sich am Montag Demonstranten versammelt. Sie skandierten "Überall ist Taksim, überall ist Widerstand." Zunächst blieb es friedlich, allerdings gingen Polizisten mit Gasmasken und Helmen in Stellung, schließlich setzten sie Wasserwerfer, Tränengas und Plastikgeschosse ein. Demonstranten versuchten, Barrikaden auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal Caddesi zu errichten. Zudem bewarfen sie die Wasserwerfer mit Steinen. Nach Schätzungen von Augenzeugen versuchten rund 1000 Demonstranten, zum Taksim-Platz und in den benachbarten Gezi-Park zu gelangen. Nach Angaben der Protestbewegung wurden mehr als 80 Demonstranten festgenommen. Eine Person sei durch den Strahl eines Wasserwerfers am Kopf schwer verletzt worden.

Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu hatte bei der Eröffnung lokalen Medienberichten zufolge gesagt, illegale Versammlungen im Park würden nicht geduldet. Mit Blick auf das Protestbündnis "Taksim Solidarität" fügte er hinzu, der Park gehöre nicht einzelnen Gruppen, sondern allen Menschen in Istanbul.

Anders sehen das die Demonstranten von "Taksim Solidarität": Sie hatten am Samstag zu einer Demonstration aufgerufen, um den Gezi-Park "den wahren Besitzern, nämlich jedem" zurückzugegeben.

Die Proteste in der Türkei hatten sich an Regierungsplänen entzündet, den Gezi-Park zu bebauen. Inzwischen richten sich die Proteste aber vor allem gegen die autoritäre islamisch-konservative Regierung Recep Tayyip Erdogans. Der Ministerpräsident war der Polizeigewalt bei den seit Ende Mai andauernden Protesten international kritisiert worden. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass ein Gericht die Baupläne am Gezi-Park gekippt hat.

© Süddeutsche.de/dpa/sana/fzg

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