Nach Erdbeben- und Tsunamikatastrophe Japaner geben Hilfsgelder für Schildkrötenzählung aus

Zählung von Meeresschildkröten, Wein- und Käseverkostungen zu Marketingzwecken: Katastrophenhilfe für Erbeben- und Tsunamiopfer in Japan ist zum größten Teil zweckentfremdet worden. Der fragwürdige Mitteleinsatz bringt die Regierung in Erklärungsnot.

Ein Großteil der für die Erdbeben- und Tsunamiopfer in Japan bereitgestellten Staatshilfen in Milliardenhöhe ist zweckentfremdet worden. Die Regierung musste zugeben, dass zwei Drittel der Mittel in teils bizarr anmutende Projekte abseits der Katastrophenzone flossen.

Gefördert wurden etwa die Zählung von Meeresschildkröten an subtropischen Stränden, Wein- und Käseverkostungen zu Marketingzwecken, Internetsicherheits-Broschüren und ein Restaurantführer. Zuvor war schon bekannt geworden, dass Tokio mit dem Geld die international umstrittene Walfangbranche des Landes unterstützte.

Die Tageszeitung Asahi Shimbun hatte Behörden im ganzen Land befragt, wofür die 2011 bereitgestellten 200 Milliarden Yen (umgerechnet 1,5 Milliarden Euro) letztlich ausgegeben wurden. Ursprünglich hätten die Fördermittel Katastrophenopfern zu neuen Arbeitsplätzen verhelfen sollen. Doch mehr als die Hälfte des Geldes floss den Angaben zufolge in 38 Präfekturen außerhalb des im Nordosten Japans gelegenen Katastrophengebiets. In den verschonten Regionen allerdings wurden nur drei Prozent der mit den Hilfsgeldern geschaffenen Jobs an Evakuierungsopfer vergeben.

Das Wohlfahrtsministerium verteidigte die Ausgaben trotzdem, schließlich seien diese aus gutem Grund getätigt worden: "Die von dem Desaster Betroffenen haben sich über das ganze Land verstreut, Lieferketten wurden unterbrochen", sagte ein Ministerialbeamter. Im neuen Haushaltsjahr, das in Japan seit April läuft, würden zum Wiederaufbau nur noch Katastrophenopfer mit öffentlichen Mitteln eingestellt. Regierungssprecher Yoshihide Suga räumte den fragwürdigen Verbleib des Geldes zwar ein, machte dafür aber die Vorgängerregierung verantwortlich.