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Nach Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen:Salafisten könnten Anschlagsserie geplant haben

(FILE) Anschlag auf pro NRW Chef Beisicht vereitelt

Sollte er Ziel eines Anschlages werden? Pro-NRW-Chef Marcus Beisicht

(Foto: Getty Images)

Zufällig hat eine Abhöraktion die Ermittler auf die Spur radikaler Islamisten geführt. In einer Bonner Wohnung fanden sie nicht nur eine scharfe Schusswaffe und Chemikalien, sondern auch eine Namensliste. Darauf rot markiert: Mitglieder der islamfeindlichen Splitterpartei "Pro NRW".

Vier in Nordrhein-Westfalen festgenommene militant-radikale Salafisten hatten möglicherweise eine Serie von Attentaten geplant. Darauf deutet eine Liste hin, die neben einer scharfen Schusswaffe und mehr als 600 Gramm einer vermutlich sprengstofffähigen Substanz in der Bonner Wohnung eines Salafisten gefunden wurde. Auf der Liste befanden sich Namen von Mitgliedern der NPD, der Piratenpartei und von der von Islamhassern betriebenen, rechtspopulistischen Splitterpartei "Pro NRW". Nur die Namen der Pro-NRW-Aktivisten waren rot markiert, unter ihnen der von Parteichef Marcus Beisicht.

Die Verdächtigen, die zwischen 23 und 43 Jahre alt sind, wurden am Donnerstagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Sie schweigen bislang zu den angeblichen Mordplänen.

Staatsschutz belauschte Islamisten

Eher zufällig war die Dortmunder Staatsanwaltschaft auf die Spur der angeblichen Attentäter gestoßen. Die Ermittler hatte vor etlichen Wochen nach Hinweisen aus der Szene ein Verfahren gegen mehrere radikale Islamisten eingeleitet, die angeblich einen Bankraub oder Raubüberfälle planten. Ein Verfahren wegen der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" wurde begonnen. Einer der Verdächtigen war Tyfun S. aus Hessen, der in der Szene der Gotteskrieger einen Namen hat. Er soll Kontakte zu den Sauerland-Attentätern gehabt haben und mit etlichen Dschihadisten gut bekannt sein.

Der Staatsschutz der Essener Polizei belauschte ihn. Durch Abhöraktionen stießen die Beamten auf drei Männer, die im Zusammenhang mit dem Dortmunder Verfahren nicht genannt worden waren. Einige der Männer, zu denen zwei deutsche Konvertiten gehören, sollen sich über die Macher von "Pro NRW" empört haben, die sich im vergangenen Jahr mit Salafisten Straßenschlachten geliefert hatten.

Die Staatsschützer verwanzten das Auto, mit dem Tyfun S. häufiger unterwegs war. Bei einer Tour am späten Dienstagabend bekamen die Ermittler ein Gespräch mit, in dem über den "Kopf" von "Pro NRW" gesprochen wurde. "Wenn er weg ist, dann kriegen die anderen Angst", sagte einer der Islamisten. Sie sprachen dann über das Auto von Beisicht und das Kennzeichen seines Wagens. Die Verfolger vermuteten, dass ein Anschlag bevorstehe.

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