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Nach der Wahl in Spanien:Iglesias triumphiert, Rajoy will regieren

General elections

Pablo Iglesias, Chef der linksalternativen Newcomer-Partei Podemos, feiert das gute Ergebnis im Kreis seiner Anhänger.

(Foto: dpa)
  • Spanien stehen schwierige Koalitionsverhandlungen bevor.
  • Ministerpräsident Rajoy kündigt an, eine Regierung bilden zu wollen. Die anderen Parteien aber wollen nicht mit ihm koalieren.
  • Der griechische Regierungschef Tsipras zeigte sich erfreut über das starke Wahlergebnis der linksalternativen spanischen Podemos.

Rajoy: Wir haben die Wahl gewonnen

Nach der Parlamentswahl in Spanien hat Regierungschef Mariano Rajoy von der konservativen Volkspartei PP angekündigt, Spanien weiterregieren zu wollen. "Wir haben die Wahl gewonnen", betonte der konservative Regierungschef in der Nacht zum Montag. "Und wer die Wahl gewonnen hat, muss auch die Regierung bilden." Das Problem daran: Die anderen Parteien haben bereits angekündigt, nicht Teil einer Regierung unter dem amtierenden Ministerpräsidenten werden zu wollen.

Nach Auszählung aller Stimmen kommt die konservative Regierungspartei PP auf 28,7 Prozent und 123 der 350 Sitze. Zweitstärkste Kraft wurde die sozialdemokratische PSOE mit 22 Prozent der Stimmen und 90 Sitzen. Damit fuhr sie das schlechteste Ergebnis bei landesweiten Wahlen überhaupt ein. Die linksalternative Partei Podemos hingegen landete einen Überraschungserfolg. Sie erhält 20,7 Prozent der Stimmen und kommt auf 69 Sitze. Die zweite vergleichsweise junge Partei, die liberalen Ciudadanos, erhalten 13,9 Prozent und 40 Sitze. In Wahlumfragen waren ihr Ergebnisse von bis zu 20 Prozent vorhergesagt worden.

Podemos feiert, Ernüchterung bei PSOE und Ciudadanos

Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Reaktionen auf die Wahl aus. Podemos-Chef Pablo Iglesias feierte das Ergebnis mit seinen Parteianhängern, das spanische Fernsehen zeigte ihn jubelnd und umringt von Menschen. "Spanien wird nicht mehr dasselbe sein, wir sind glücklich. Unser Kampf gegen Korruption geht weiter", sagte der 37-jährige Politikdozent vor Anhängern in Madrid.

Nüchterner gab sich Albert Rivera, Anführer der liberalen Partei Ciudadanos. Die Wahl markiere den Start einer neuen Ära, vor allem für junge Spanier wie ihn, die nach der Diktatur von 1939 bis 1975 geboren worden seien, sagte der 36-Jährige. "Jene, die den ersten demokratischen Übergang nicht erlebt haben, erleben jetzt den zweiten."

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse signalisierten die spanischen Sozialdemokraten (PSOE) Koalitionsbereitschaft. Seine Partei sei bereit "zum Dialog, zur Debatte und zu Einigungen", sagte der PSOE-Vorsitzende Pedro Sánchez.

Der linke griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras zeigte sich erfreut über das Wahlergebnis. Die spanische Podemos unterhält gute Beziehungen zu seiner Partei Syriza. "Die Austerität ist in Spanien politisch besiegt worden", sagte er. "Unser Kampf wird nun gerechtfertigt, Europa ändert sich."

© SZ.de/dpa/bepe/gal

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