Nach der Wahl in Hessen Bei der Stange bleiben

Heinrich Führmann (74), war Gewerkschafter und ist Mitglied im SPD-Ortsverein Garching

Ich denke, die SPD sollte pragmatisch vorgehen. Zur Mitte der Legislaturperiode will die SPD evaluieren, was erreicht worden ist. Um nicht in Aktionismus zu verfallen, sollte die SPD bei der Stange bleiben. Durch die Landtagswahlen verändert sich ja nicht die Legitimation im Bund. Die Partei sollte wie geplant fortfahren, aber zur Halbzeit eine ehrliche, offene Analyse der bisherigen Arbeit vornehmen und daraus die Konsequenzen ziehen. Ich gehe allerdings davon aus, dass es letztlich zur Auflösung der Groko kommen muss.

Die SPD muss sich verändern. Aber eine Umgestaltung sollte jetzt nicht unter Druck geschehen. Das war ein Fehler, als Martin Schulz zum Spitzenkandidaten gemacht wurde. Alle waren trunken vor Glück, einen gefunden zu haben, ohne darüber nachzudenken, ob er wirklich der richtige Mann als Kanzlerkandidat ist.

"Die SPD könnte jetzt von den Grünen lernen." Heinz Führmann ist dafür, jetzt noch nicht über die Groko zu entscheiden.

(Foto: Daniel Hofer)

Dass die Wahlen in Bayern und Hessen Konsequenzen für die Bundes-SPD haben sollen, wird, glaube ich, herbeigeredet. Die SPD hat im Bund Verantwortung übernommen, und sollte sich jetzt nicht aus dem Staub machen. Es gibt sicher Menschen, die der SPD-Führung dann vorwerfen, sie hätten kalte Füße bekommen und würden wieder nur parteitaktisch handeln.

Die SPD könnte jetzt von den Grünen lernen. Die haben ihre Themen und eine Führungsspitze ohne offenen Streit und Taktieren gefunden. Insbesondere die führenden Politiker der Groko beschäftigten sich viel zu sehr mit sich selbst, statt wichtige Zukunftsthemen anzugehen, die den Menschen auf den Nägeln brennen, wie zum Beispiel sichere Rente, befristete Arbeitsverträge, Scheinselbstständigkeit, flexible Verfügbarkeit und so weiter - alles Ur-Anliegen der Sozialdemokratie.

Eine Erneuerung der Volksparteien kann meines Ermessen bereits in Kommunal- und Länderparlamenten geschehen - und geschieht bereits -, in denen gute Politik gemacht wird. Das sehe ich als eine Chance, "von unten" zu erneuern. ("Wenn Du die Welt verändern willst, fang bei dir an ...")

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