Nach der Razzia Nicht die hellsten Köpfe

Polizisten stellen Material aus der Wohnung von Andreas H. sicher.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa)

Sie posieren mit Waffen im Netz, einer ist ein Messie, andere sind Hooligans: Die Rechtsextremisten der "Oldschool Society" wirken wie ein wirrer Haufen, die Ermittler halten sie aber trotzdem oder gerade deshalb für sehr gefährlich.

Von Bernd Dörries, Tanjev Schultz, Düsseldorf/München

Als die Polizisten am Mittwoch die Wohnung von Olaf H. in Bochum stürmten, sah es eher so aus, als sei man an einen notorischen Messie geraten, so vermüllt war die Wohnung. Olaf H. wurde festgenommen, seine Wohnung ein Fall für das Gesundheitsamt, das nun die Reste eines Lebens entsorgen muss, das nicht unbedingt nach jener völkischen Überlegenheit aussieht, die die Nazi-Gruppe "Oldschool-Society " (OSS) propagierte.

Ihr mutmaßlicher Rädelsführer ist Andreas H., 56, der in Augsburg festgenommen wurde. Er und Olaf H. sind nun in Untersuchungshaft. Noch am Donnerstag sollten die beiden anderen mutmaßlichen OSS-Mitglieder in Karlsruhe vernommen werden. Beide - ein 39-Jähriger und eine 22-Jährige - waren in Sachsen festgenommen worden.

Mitglieder der Gruppe sollen früher Kontakte zu anderen rechtsradikalen Organisationen wie der NPD und zu einer mittlerweile verbotenen Kameradschaft gehabt haben. Der mutmaßliche Anführer Andreas H. und ein weiterer Rechtsextremist aus der Gruppe präsentierten sich im Internet auch mit Waffen.

In Sicherheitskreisen heißt es, man habe rechtzeitig zugreifen wollen, bevor die Gewaltfantasien und Anschlagspläne der OSS-Mitglieder in die Tat umgesetzt werden konnten. In einem Facebook-Eintrag der OSS hieß es im September 2014. "Der erste Feind wurde erfolgreich außer Gefecht gesetzt!" Auch wenn Rechtsradikale für ihr Maulheldentum bekannt sind, zeigte sich in den öffentlichen Postings ein bedrohliches, militantes Potenzial. In einer Facebook-Botschaft teilte Andreas H. freimütig mit, er sei "zerfressen" von der herrschenden Ungerechtigkeit - "ich stumpfe ab in Hass".

Auf den OSS-Seiten gab es zeitweise eine Illustration, in deren Mitte eine geballte Faust zu sehen war mit der Beschriftung: "Klopf, klopf". Eingerahmt war sie von zwei Maschinengewehren und dem Schriftzug: "Hausbesuche". In einem begleitenden Text hieß es, man werde gegen Islamisten kämpfen, "die Planung ist angelaufen". Die Behörden befürchteten, die Gruppe könnte demnächst tatsächlich Anschläge auf Moscheen , Salafisten und Flüchtlingsheime verüben. Angeblich soll an diesem Wochenende ein Treffen von OSS-Mitgliedern in Sachsen geplant gewesen sein.

Mutmaßliche Mitglieder posierten im Internet auch mit Waffen

Die Behörden sollen nicht nur die öffentlich zugängliche Kommunikation ausgewertet, sondern die Gruppe auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln überwacht haben. Demnach könnten Telefonate abgehört und Observationen durchgeführt worden sein. Möglich wäre auch der Einsatz von V-Leuten, darüber ist bisher aber nichts bekannt. Der Verfassungsschutz war beteiligt und gab Informationen über die OSS-Mitglieder an die Strafverfolgungsbehörden weiter. Insgesamt ermittelt die Bundesanwaltschaft derzeit gegen neun Personen.

Auf einem Foto unter dem Schriftzug "Oldschool Society" posierten elf Personen, darunter drei Frauen. Sie sehen nicht wie Vertreter der oft smart auftretenden jungen Rechten aus. Rein äußerlich erinnern sie an eine seltsame Mischung aus Hooligan- und Gothic-Kultur. Die Kleidercodes der Rechtsextremisten sind aber schon lange nicht mehr einheitlich, es gibt viele Subszenen.

Es seien nicht die "hellsten Köpfe" gewesen, die da festgenommen worden seien, heißt es im Düsseldorfer Innenministerium. Die Selbstdarstellung der Gruppe scheint dieses Urteil zu stützen. Über die Gefährlichkeit der OSS sagt das jedoch wenig aus.

In einem Aufruf im Internet hatte die OSS verkündet, "müde Parolen gehören der Vergangenheit an". Dies erinnert ein wenig an den NSU. Diese Terrorgruppe hatte sich des Spruchs "Taten statt Worte" bedient. Dass auch die OSS einen Kampf aus dem Untergrund führen wollte, dafür gibt es freilich keine Hinweise. Auffällig ist vielmehr die offensive Kommunikation im Internet. Am Mittwoch wurde die OSS-Facebook-Seite gelöscht. Doch schon am Donnerstag gab es eine neue.