Machtwechsel in Nordkorea Wie sich der Westen verhält

Anfang Dezember aber fing Südkorea wieder an, Millionen an Hilfsgeldern an den Norden zu schicken. Über das UN-Kinderhilfswerk Unicef soll es unterernährten Kindern zugutekommen. Auch kündigte Südkorea zuletzt an, für einen milliardenschweren Fonds zu sparen, der die Kosten einer künftigen Wiedervereinigung schultern soll. Die Spaltung zwischen Nord- und Südkorea ist viel extremer, als sie zwischen West- und Ostdeutschland je war. Es gibt praktisch keine Kommunikation zwischen den Landesteilen. Die Wirtschaft Nordkorea existiert quasi nicht und wird auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung des reichen Südens geschätzt.

Tod von Nordkoreas Machthaber Kim Jong II

Letzte Huldigung für einen Tyrannen

Kommendes Jahr wird in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Bei den wichtigen Bürgermeisterwahlen in Seoul diesen Herbst haben sich die Wähler für einen progressiven Kandidaten entschieden. Beobachter sehen darin ein Signal, dass auch der nächste Präsident nicht mehr ein Konservativer sein könnte. Das würde wiederum eine neue Phase der Entspannungspolitik mit dem Norden ermöglichen.

Welche Rolle spielen die USA und Japan?

Die Vereinigten Staaten sind der engste Verbündete Südkoreas, das machten die USA auch nach dem Tod Kim Jong Ils klar: "Der Präsident wurde informiert und wir stehen im engen Kontakt mit unseren Verbündeten in Südkorea und Japan", heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Die USA engagierten sich weiterhin für Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel und "für Freiheit und Sicherheit unserer Verbündeten".

Neben dem Hass auf die US-Yankees ist die Feindschaft zu Japan ein wichtiger Bestandteil der nordkoreanischen Ideologie. Japan hatte Korea bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Kolonie annektiert und ausgebeutet. Nordkoreas atomare Drohungen richten sich auch gegen Tokio. 2009 hat das Land eine Rakete über Japan hinwegfliegen lassen, die auch nukleare Sprengköpfe transportieren kann. Japan ist wie Südkorea nach dem Tod des Diktators nun in Alarmbereitschaft.

Wie weit ist das nordkoreanische Atomprogramm?

Nordkorea behauptet, bereits zwei Mal Atomwaffen getestet zu haben: 2006 und 2009. Auch haben sie Langstreckenraketen abgeschossen, die solche Sprengköpfe tragen könnten. Seit Jahren blockt Nordkorea jede diplomatische Bemühung ab, die Nuklearanlagen im Land von internationalen Beobachtern untersuchen zu lassen. Pjöngjang hatte alle Gespräche darüber abgebrochen. Zuletzt war etwas Bewegung in die Beziehungen gekommen: Seit Sommer hatten Sechs-Parteien-Gespräche in Genf stattgefunden. Nordkorea verhandelt dabei mit China, Russland, den USA, Japan und Südkorea. Wenn Nordkorea mit der Urananreicherung aufhört, könnten die USA Energie und Nahrungsmittel liefern. Derweil ging der Bau des Leichtwasserreaktors in Nordkorea in den vergangenen Monaten jedoch zügig weiter, das legen Satellitenbilder nahe. Zuletzt gab es direkte Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea. Unklar ist, ob der Test einer Kurzstreckenrakete an diesem Montag ein routinemäßiger Test war oder ein geplantes Signal nach innen: Der Sohn zeigt, dass er auch Raketen testen kann.

Sind die Herrscher in Pjöngjang unberechenbar?

Nein, sagen jedenfalls Politikwissenschaftler. Indem sie sich Nuklearwaffen gesichert haben, wurden sie zwar weltweit geächtet und isoliert - handelten aber aus ihrer eigenen Sicht sehr rational. Die Atomwaffen sind ein Schutzschild gegen die ansonsten übermächtigen USA. Schließlich will das nordkoreanische Regime nicht wie die gestürzten arabischen Despoten enden.

Es handelt also immer aus den Erfahrungen seiner eigenen Geschichte und Ideologie: Nordkorea ging 1948 aus der sowjetischen Besatzungszone hervor, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet wurde. Der Koreakrieg von 1950-53 besiegelte diese Trennung. Grundlage des nordkoreanischen Systems ist eine sozialistische Wirtschafts- und Staatsform, die vom moskautreuen Staatsgründer Kim Il Sung eingeführt wurde. 1995 wurde die Staatsideologie durch die Militarisierung der Gesellschaft ergänzt.

Zwar garantiert die nordkoreanische Verfassung Rechte wie Religions- und Pressefreiheit, doch in dem autoritär regierten Land unterliegen alle Organisationen dem Staat. Den Nordkoreanern sind Reisen ins Ausland mit sehr wenigen Ausnahmen verboten, auch innerhalb des Landes bedarf es einer Genehmigung. Besonders reglementiert ist der Zuzug in die Hauptstadt Pjöngjang. Informationen von außen werden systematisch von den Bürgern ferngehalten.

Gelingt der Machtwechsel zu Kim Jong Un?

Seit einem Jahr wurde der jüngste Sohn Schritt für Schritt in die Öffentlichkeit gebracht. Trotzdem ist kaum etwas von ihm bekannt, nicht mal sein genaues Alter. Wahrscheinlich ist er Ende Zwanzig. Es gibt noch keinen Personenkult um ihn wie bei seinem Vater und Opa. Bislang wurde ihm nur der Titel "der große Nachfolger" zuteil.

Die Frage ist, ob er das mächtige Militär hinter sich sammeln kann. Bislang sorgte sein Vater dafür, dass er einen Posten nach dem anderen übernehmen konnte, um im Hintergrund Erfahrung zu sammeln. Der plötzliche Tod von Kim Jong Il hat eine gut vorbereitete Machtübernahme nun verhindert.