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Nach dem Scheitern von Schwarz-Grün:Lange Liste der Unterschiede

Die Liste der Unterschiede ist jedoch lang: In der Europapolitik habe sie nicht wirklich eine Öffnung" von CDU/CSU gesehen, die Aussagen von Kanzlerin Angela Merkel zur Energiewende seien "diffus, wenig konkret" gewesen, erklärt Roth.

Der EU-Beitritt der Türkei, ein strengeres Rüstungsexportgesetz, die endgültige Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung, eine Bürgerversicherung im Gesundheitswesen - mit der Union alles nicht zu machen. Und dennoch, schließt Roth: "Es waren wirklich intensive, sehr spannende Gespräche, die die Voraussetzung schaffen für einen anderen Umgang miteinander."

Wie viel echte Harmonie, wie viel Theater?

Beinahe traurig klingen die Vertreter der Union, die schon vor den beiden Grünen vor die Mikrofone getreten sind. Man habe "zur Kenntnis nehmen müssen", dass der mögliche Partner "außer Stande" sei, die Gespräche weiterzuführen, sagt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. "Selbstverständlich respektieren wir das."

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, im Wahlkampf als "Grünen-Fresser" berüchtigt, seufzt beinahe, als er zu seinem Statement anhebt: "Sehr ernsthaft, ehrlicherweise ernsthafter als erwartet" seien die Gespräche verlaufen. "Von unserer Seite haben wir keine Probleme gesehen, die unüberwindbar gewesen wären." Die Grünen hätten "das Wahlergebnis verstanden". Er wiederum habe ein "Verständnis entwickelt" für grüne "Formulierungen".

Wie viel echte Harmonie in diesen Worten steckt und wie viel Theater, das ist an diesem Abend schwer auszumachen. Als gesichert darf gelten, dass die Union die Lobeshymne auf die Grünen auch als ein Signal an die SPD verstanden wissen will.

Zuletzt hatte es heftig gekracht

Union und SPD müssen jetzt zusammenfinden, eine andere Koalitionsoption gibt es nicht. Am Donnerstag gibt es neue Sondierungsgespräche, zuletzt hatte es heftig gekracht. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe sich gegenüber Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer im Ton vergriffen, raunt die Union, nachdem Dobrindt sie auf die schlechte Haushaltslage in Nordrhein-Westfalen angesprochen hätte. Derselbe Dobrindt, der nun mit den Grünen kuschelt.

Beim Mindestlohn liegen die beiden großen Parteien weiterhin über Kreuz. Die SPD-Führung will ihn unbedingt, schon um die eigene Basis zufriedenzustellen. Die möchte auch die Wohlhabenden stärker besteuert sehen - doch CDU-Generalsekretär Gröhe betont nach dem Gespräch mit den Grünen abermals, das sei mit der Union nicht zu haben.

Beide Punkte - Mindestlohn und Steuererhöhungen - stehen freilich auch im Programm der Grünen, aber die Sturheit der Öko-Partei wirkt weniger groß. Anders als die SPD räumt sie ein, die Wahl verloren zu haben. Das gefällt der Union, auch deshalb bemüht sie sich, die schwarz-grüne Option nicht endgültig auszuschließen. "Da wäre noch eine Möglichkeit gewesen, gemeinsame Positionen zu entwickeln", sagt Dobrindt.

Scheitert die große Koalition, könnten diese Worte noch einmal Gewicht bekommen. Genau wie jene von Grünen-Chef Özdemir: "Die Tür ist nicht zugenagelt mit langen Nägeln, die man nicht mehr rauskriegen kann."

© Süddeutsche.de/mati/leja/sks
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