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Nach dem Massaker in Las Vegas:Warum sich an den US-Waffengesetzen nichts ändern wird

A sign advertising a gun range is seen near the Las Vegas Strip, two days after the Route 91 music festival mass shooting near the Mandalay Bay Resort and Casino, in Las Vegas

Für Deutsche äußerst befremdlich: Werbung für einen Schießstand der sich "Battlefield Vegas" (Schlachtfeld Las Vegas) nennt.

(Foto: REUTERS)
  • Schießereien und Amokläufe gehören in den USA mittlerweile zum Alltag.
  • Die Waffengewalt der vergangenen Jahre habe nicht zu strengeren Gesetzen geführt, schreibt der Thinktank "Center for American Progress".
  • Die meisten Demokraten werden nach dem Attentat in Las Vegas auf Veränderung pochen. Die meisten Republikaner werden am Recht auf den Besitz von Schusswaffen festhalten.

Wenn es eine Sicherheit gibt in diesem Land, dann die, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ein Massaker wie in Las Vegas das Land wieder mal einen Schock versetzen würde. Denn Schießereien und Amokläufe gehören in den USA mittlerweile zum Alltag. Vor drei Wochen etwa erschoss jemand acht Menschen in Plano, Texas, nur hat man davon kaum etwas gehört, weil acht Schussopfer nicht mehr reichen, um Schlagzeilen zu machen.

Die Zahlen sprechen ein klares Bild. Seit dem Amoklauf in einem Schwulenclub in Orlando im Juni 2016, damals das tödlichste Attentat in der Geschichte der USA, starben mindestens 585 Menschen in sogenannten "Mass shootings", mehr als 2100 Menschen wurden in Schießereien verletzt. In den USA sterben mehr Menschen durch Waffen als durch Aids, Drogen, Kriege und Terror zusammen. Doch was wurde politisch seit dem Attentat in Orlando unternommen? Nichts.

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Die Waffengewalt der vergangenen Jahre habe, landesweit betrachtet, nicht etwa zu strengeren Gesetzen geführt, schreibt der Thinktank "Center for American Progress". Im Gegenteil. Die vielen Schießereien hatten zur Folge, dass sich immer mehr Menschen Waffen kaufen, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können; was zu einer Art Aufrüstung führte. 300 Millionen Schusswaffen befinden sich heute in Privatbesitz - und jedes Mal, wenn der damalige Präsident Barack Obama davon sprach, endlich etwas zu unternehmen, schossen die Verkäufe in die Höhe.

Im Bundesstaat Nevada stirbt alle zwanzig Stunden ein Mensch an einer Kugel

Auch wenn also der unwahrscheinliche Fall einträfe und die Politiker neue Gesetze beschlössen, was unter diesem Präsidenten schwer vorstellbar ist, würden all die MPs und Sturmgewehre nicht einfach verschwinden. Im Bundesstaat Nevada etwa, wo das Attentat vom Sonntag passierte, stirbt alle zwanzig Stunden ein Mensch an einer Kugel.

Es gibt in den USA eine ganze Landkarte der Amokläufe. Orte wie Aurora, Littleton oder Orlando sind auf ewig durch die Attentate in Kinos, Schulen oder Nachtclubs gezeichnet. Nun also Las Vegas, eine Stadt, in der viele Amerikaner ein paar Tage verbringen, um ihren Alltag hinter Glücksspielautomaten zu vergessen. In den Interviews am nächsten Tag sagten manche Menschen auf den Straßen, sie würden sich schämen, jetzt ins Casino zu gehen, nach allem, was passiert sei. Hochzeiten wurden abgesagt. Doch spätestens in wenigen Tagen wird alles wieder den gewohnten Gang gehen. "The Show must go on", zu keiner Stadt passt der Satz besser als zu Las Vegas. Und er passt auch zum politischen Washington.

Auf jedes Attentat folgt dasselbe Ritual. Politiker twittern über ihren Schock und senden den Familien der Opfer ihre "Gedanken und Gebete"; so schrieb es etwa Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses. Die Flaggen sind auf Halbmast, betroffene Politikergesichter stammeln in Fernsehkameras, dass Amerika nun zusammenhalten müsse. "Doch viel mehr wird nicht passieren", prophezeit die Washington Post".