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Nach dem Krim-Referendum:Sanktionen und Isolation nimmt Putin in Kauf

Werden die Sanktionen Russland weh tun?

Die Reaktion des russischen Präsidenten auf die von der EU und den USA auferlegten Sanktionen? Kaum mehr als ein Schulterzucken. In seiner Rede an die Nation erklärte Putin, dass sein Land bereits seit Ende der Sowjetunion mit Einschränkungen durch den Westen zu leben habe. Er muss sich tatsächlich keine großen Gedanken machen - zumindest, solange es bei den eben verhängten Sanktionen der zweiten Stufe bleibt.

Die Sperrungen von Konten sowie die Einreiseverbote treffen weder ihn noch seine engsten Vertrauten, schreibt Julian Hans in der SZ. Es sei durchaus denkbar, dass der russische Präsident sogar einkalkuliert habe, dass die Sanktionen negative Folgen haben - für Teile der politischen und wirtschaftlichen Elite Russlands, die Putin für den Erhalt seiner Macht aber nicht mehr als wichtig empfinde. Die Sanktionen könnten ihm sogar gelegen kommen, meint auch die FAZ. Schon seit längerem wolle er die Eliten "nationalisieren", also verhindern, dass russische Firmen und Geschäftsleute Geld im Ausland anlegten und investierten.

Ein wirksameres Mittel wären allgemeine Wirtschaftssanktionen, die nicht nur Einzelpersonen, sondern die gesamte Wirtschaft betreffen. Die will die EU jedoch nur verhängen, sollte Putin in der Ostukraine eingreifen. Die Risiken wären allerdings auch für den Westen nicht unbeträchtlich. Die EU ist etwa auf russische Energielieferungen angewiesen. Doch sollte Russland tatsächlich das Gas abdrehen, würde sich das Land nur selbst schaden, analysieren zwei Autoren des Centre for European Policy Studies. Denn die Wirtschaft des Landes ist in hohem Maße von Energieexporten abhängig.

Wie wichtig ist Putin die Mitgliedschaft in der G8?

Ausgerechnet im russischen Sotschi hätten sich die G8, die Gruppe der führenden Industriestaaten, im Juni treffen sollen. Nun sieht es so aus, als würden sich stattdessen nur die G7 treffen - ohne Russland. Am Rande des für den 25. und 26. März geplanten Nukleargipfels in Den Haag sollen die Staaten nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama über das russische Vorgehen auf der Krim beraten. Die G8 sind keine internationale Organisation, sondern ein Netzwerk, das sich regelmäßig zu Gesprächen trifft, um über globale Themen zu beraten. Dieses Netzwerk, das sich zunächst vor allem über Finanz- und Währungsfragen austauschte, wurde 1975 von Deutschland, den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien ins Leben gerufen, 1976 wurde Kanada Mitglied. 1998 kam Russland dazu, zunächst nur als "Teilnehmer". Der Zusammenschluss hat keine schriftlich fixierte Statuten, Aufgabenstellungen oder Regeln für die Mitgliedschaft. Letztere ist eher symbolischer Natur - und ihr Verlust für Wladimir Putin daher zu verschmerzen, denken Experten.

Kritik an der Mitgliedschaft Russlands gibt es schon seit längerer Zeit - weder sei Russland wirtschaftlich auf Höhe der anderen Nationen, noch herrschten dort ähnliche Vorstellungen von Demokratie, gesellschaftlicher Entwicklung und Bedeutung der Menschenrechte. Nach rein wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten war die Aufnahme 1997 unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin ohnehin nicht erfolgt, vielmehr wollte der Westen nach dem Ende des Kalten Krieges neue Partnerschaften knüpfen. In der Tat werden auf den Treffen der G8 neben Wirtschaftspolitik auch außen- und sicherheitspolitischen Fragen besprochen. Zuletzt zum Beispiel auf dem G8-Gipfel in London, wo es unter anderem um die Syrien-Frage ging.