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Nach dem Krim-Referendum:Warum der Westen Putin nicht zu fassen kriegt

Russia's President Putin attends a meeting with members of the government at the Novo-Ogaryovo state residence outside Moscow

Wladimir Putin mit seinem Stab in seinem offiziellen Amtssitz bei Moskau

(Foto: REUTERS)

Sanktionen und Isolation sind die Antworten des Westens auf das russische Vorgehen auf der Krim. Doch beeindruckt das Wladimir Putin überhaupt? Und wie geht es nach dem Referendum weiter? Ist die Halbinsel überlebensfähig? Antworten auf die drängendsten Fragen.

Die Halbinsel Krim gehört nun zu Russland - allen Drohungen aus dem Westen zum Trotz hat der russische Präsident Wladimir Putin den entsprechenden Vertrag unterzeichnet, Völkerrecht hin oder her. Welche Auswirkungen hat das für die Halbinsel? Und welche Möglichkeiten bleiben dem Westen überhaupt noch, Putin zu beeinflussen? Wichtige Fragen und Antworten.

Ist die Krim überhaupt überlebensfähig?

Die Halbinsel war bisher von der Unterstützung durch die Ukraine abhängig - Strom, Gas und Wasser für die Krim kommen bisher vor allem von dort. Dass die Krim-Regierung die auf der Halbinsel ansässigen staatlichen Energiekonzerne übernommen hat, bedeutet also keinesfalls, dass die Bewohner eigenständig versorgt werden können - dazu braucht es die Ukraine. Möglich wäre, dass Russland das Land künftig für die Versorgung der Krim bezahlt.

Für Russland könnte die Angliederung aber auch aus anderen Gründen teuer werden. Im Januar hatte das Krim-Parlament für 2014 ein Budget von 540 Millionen Dollar verabschiedet - 300 Millionen Dollar davon sollten aus Kiew kommen. Regierungsvertreter erklärten nun, Russland werde einspringen, wie die New York Times berichtet. Doch Experten glauben, dass das nicht reichen wird. 2,1 Milliarden Euro jährlich werde Russland ausgeben müssen, rechnet die Welt, zum Beispiel für Gehälter von Staatsbediensteten und wirtschaftliche Investitionen. Bereits jetzt leidet die Wirtschaft der Halbinsel. Viele Bankautomaten geben kein Geld mehr aus, Reiseveranstalter klagten bereits vor dem Referendum über Stornierungen - und das nur wenige Wochen vor Beginn der Hauptsaison. Die Krim lebt vor allem vom Tourismus ( einen Überblick über die Einnahmequellen der Krim bietet Euronews).

Welche Ziele verfolgt Wladimir Putin?

Mit dem Anschluss der Krim verteidigt Putin seine Interessensphäre. Viele sehen die Annexion der Krim als Beleg dafür, dass Russlands Präsident sein Land wieder als Großmacht positionieren will, ein Anliegen, bei dem er die Mehrheit der Russen hinter sich weiß, schreibt Julian Hans in der SZ. Zeit Online sieht das Referendum gar als "Revanche für 1989". Damals sei die Sowjetunion im Kalten Krieg unterlegen und zerfallen, nun könne das Land sich wieder mächtig fühlen. Doch das ist der westliche Blick auf Putins Handeln - und er steht auch in der Kritik. Der Westen habe Russland lange Zeit nur noch als die unzulängliche Variante Westeuropas verstehen wollen, heißt es zum Beispiel in der FAZ. Nun sei klar geworden, dass Putin diese Rolle nicht einnehmen werde - und stattdessen im Sinne pragmatischer Machtpolitik Fakten schaffe.

Eine weitere Frage, die sich aufdrängt: Genügt Putin die Krim oder wird er in der Ostukraine genauso verfahren? Der industriell geprägte Osten und Süden des Landes hat traditionell eine enge Bindung an Russland, der größte Teil der Bevölkerung dort spricht russisch. Hier hatte auch die russlandfreundliche Partei der Regionen von Ex-Präsident Viktor Janukowitsch ihre Machtbasis. Putin hat sich bereits vom Parlament in Moskau das Recht zusichern lassen, auch im Osten und Süden der Ukraine einzumarschieren - sollten dort Russen in Gefahr sein. Da die Versorgung der Krim über die Ukraine läuft, hat Russland in der Tat handfestes Interesse daran, seinen Einfluss auf die Region nicht ohne weiteres aufzugeben.