Großbritannien:Mays härtester Konkurrent: Michael Gove

Es ist jetzt an den Abgeordneten, eine Vorentscheidung für die künftige Führung der Partei und des Landes zu treffen. Nur zwei der fünf Kandidaten werden den Parteimitgliedern für einen Entscheid vorgelegt.

Neben May bewerben sich noch Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom, Arbeitsminister Stephen Crabb und der frühere Verteidigungsminister Liam Fox. Ihnen allen wird nachgesagt, sie wollten mit ihrer Kandidatur vor allem Duftmarken setzen, um ihre Karriereabsichten zu unterstreichen.

Allerdings hat an diesem Donnerstag - wenige Stunden vor Auslaufen der Frist - überraschend auch Justizminister Michael Gove seine Kandidatur erklärt. Das ist der Mann, der die offizielle Leave-Kampagne geführt hat, aber stets im Schatten von Boris Johnson stand. Gove hatte immer verneint, Premierminister werden zu wollen. Auch mit dem koketten Hinweis auf fehlende Fähigkeiten. Ihm wird nachgesagt, er sei berühmt dafür, eher unpraktisch veranlagt zu sein, ungern zu fliegen und "intellektuelle Interessen" zu haben, "die an der Grenze zur Exzentrik liegen", schrieb mal der Guardian über ihn.

Jetzt tritt er doch an. Weil er nicht mehr glaubt, dass Johnson die nötigen Führungsqualitäten aufweist, wie er sagte. Er glaubt offenbar nicht, dass Johnson, einmal im Amt, den Brexit so überzeugt umsetzt, wie Gove es gerne hätte. Johnson hatte nach dem Referendum freimütig angekündigt, im EU-Binnenmarkt bleiben zu wollen. Gove will selbst das nicht. Nach Johnsons Rückzug dürfte er jetzt freie Hand haben im Lager der totalen EU-Gegner.

Ob die Kandidatur von Gove May hilft oder schadet, ist noch nicht klar. Am Ende werden definitiv nur zwei Kandidaten dem Parteivolk präsentiert. Nach Lage der Dinge sind das May und Gove.

Harte Haltung in der Migrationsfrage

May ist die Einzige im Rennen, die sich ihre Hände im Brexit-Wahlkampf nicht schmutzig gemacht hat. Dass sie den Job kann, hat sie als Innenministerin unter Beweis gestellt. Einem der härtesten Posten, den es in Großbritannien gibt. Seit den Londoner Anschlägen vom Juli 2005 ist Sicherheit ein immens wichtiges Thema auf der Insel. Damals hatten islamistische Attentäter 52 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt.

Für ihre Performance wird May von linken Medien wie dem Guardian und der eher rechtslastigen Daily Mail gelobt. May sei "unerschütterlich", sie verfüge über "große Führungsqualitäten" und sei "niemandes Handlangerin". In einer BBC-Liste wurde sie mal als zweitmächtigste Frau Großbritanniens eingeordnet - direkt nach der Queen.

Darüber hinaus dürfte ihr helfen, dass sie in der Migrationsfrage immer eine harte Haltung eingenommen hat. 2014 etwa setzte sie ein Gesetz durch, das Wohnungsbesitzer davon abhalten sollte, Wohnungen an Menschen ohne Aufenthaltsstatus zu vermieten. Außerdem sollten illegale Einwanderer davon abgehalten werden, einen Führerschein zu machen oder ein Bankkonto zu eröffnen. 2012 legte sie ein Gesetz vor, das den Familiennachzug für Nicht-EU-Bürger massiv einschränkt.

Einwanderung aus der EU und die Angst davor, dass in größerem Umfang Flüchtlinge ins Land kommen könnten, haben den Wahlkampf zum EU-Referendum bestimmt. Auch wenn ein Brexit an der Situation kaum etwas ändert. Wollen die Briten Teil des Binnenmarktes bleiben, müssen sie dessen Regeln akzeptieren.

Mays Vorgeschichte ist wenig spektakulär. 1977 schloss sie ihr Geografie-Studium in Oxford mit einem Bachelor ab. Danach ging sie für einige Jahre zur Bank of England. Im Anschluss heuerte sie als Beraterin für die UKPA an, eine Organisation der britischen Banken, die für einen reibungslosen internationalen Geldtransfer zuständig ist. May ist verheiratet und hat keine Kinder.

Politisch begann ihre Karriere 1997 mit dem Gewinn des Wahlbezirks Maidenhead, der ihr einen Platz im Unterhaus sicherte. 2002 wurde sie für ein Jahr Generalsekretärin der Partei, 2010 Ministerin im Kabinett Cameron. Der hatte sie schon vor gut einem Jahr als mögliche Nachfolgerin im Blick. In einem BBC-Interview stellte Cameron May als mögliche künftige Premierministerin vor. Neben Finanzminister George Osborne und Boris Johnson. Beide sind jetzt raus aus dem Rennen.

Eine Freundin sagte mal über May, sie sei wie eine "sensible und anspruchsvolle große Schwester für eine Bande von kleinen Jungen". Demnächst könnte sie die Mutter der Nation werden. Oder, nein, könnte sie nicht. Der Titel ist der Queen vorbehalten.

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