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Nach dem Brexit-Referendum:Wird es ein neues Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands geben?

Dem Sender ITV sagte Sturgeon: "Sollte das schottische Parlament für ein zweites Referendum stimmen, wäre es unausdenkbar, dass die Regierung in London versuchen würde, das zu blockieren. Ich möchte jeden aktuellen oder zukünftigen Premierminister davor warnen, das zu tun." Dass sie sich für eine neue Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands einsetzt, wundert nicht. Schließlich steht die Möglichkeit eines neuen Referendums auch im SNP-Programm, mit dem Sturgeon im Mai gewählt wurde.

Es sei "höchst wahrscheinlich", dass ihr Land erneut über seine Unabhängigkeit abstimmen werde, sagte sie nach dem Ausgang der Brexit-Abstimmung. Ihr gehe es darum, den Willen der Mehrheit in Schottland abzubilden. Momentan scheint es tatsächlich möglich, dass viele Schotten so verärgert über den Brexit sind, dass sie sich am liebsten gleich von England und Wales abspalten würden, allerdings ist abzuwarten, ob sich diese Aufregung hält. Denn man darf angesichts des Unmuts nicht vergessen, dass eine Mehrheit der Schotten sich nicht nur der EU, sondern auch Großbritannien verbunden fühlt.

Das Unabhängigkeits-Referendum im September 2014 scheiterte. Nur 45 Prozent der Schotten stimmten für die Unabhängigkeit von Großbritannien. Ein Grund war damals auch, dass die Wähler befürchteten, ein unabhängiges Schottland müsste womöglich aus der EU ausscheiden. Sturgeon glaubt, viele Leute hätten davor zurückgescheut, die Stabilität, die das UK versprach, aufzugeben zugunsten einer ungewissen Zukunft als unabhängiges Land. Durch die Brexit-Entscheidung hat sich die Situation aber umgekehrt: Bleibt Schottland im Vereinigten Königreich, scheidet es aus der EU aus. Für die Unabhängigkeitsbestrebungen der SNP ergibt sich daraus eine große Chance.

Trotzdem muss Sturgeon vorsichtig operieren. Sie betont, dass sie ein Referendum nur dann in Betracht ziehe, wenn es dafür eine eindeutige Zustimmung in der Gesellschaft gebe. Die ersten Umfragen seit dem Brexit zeigen ein gemischtes Bild: Während eine Umfrage der Zeitung Sunday Post ergab, dass 59 Prozent der Schotten für eine Unabhängigkeit von Großbritannien seien, stimmen in einer Umfrage der Sunday Times nur 52 Prozent für die Unabhängigkeit. Und eine Erhebung von Daily Record und Daily Mail ergibt sogar, dass nur 42 Prozent ein neues Referendum über die Unabhängigkeit befürworten. Es ist also nicht gesagt, wie ein Unabhängigkeits-Referendum zum momentanen Zeitpunkt ausgehen würde. Sturgeon setzt deshalb nicht allein auf das Referendum, sondern zeigt sich offen für andere Alternativen, um die Verbindungen zur EU aufrechtzuerhalten.

Ihre politische Gegner argumentieren übrigens, dass das Referendum vom September 2014 nach wie vor Gültigkeit habe. Schottland sei damit auch an das Ergebnis der Brexit-Abstimmung gebunden sei, weil es nun mal dafür gestimmt habe, Teil des Vereinigten Königreichs zu bleiben.

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